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Sind die Printmedien schon abgehakt?

11. Februar, 2007 von Stefan Oßwald
Arthur Sulzberger, Jr.
Arthur Sulzberger, Jr.
Vorsitzender New York Times
Foto: The NY Times Company

„Ob die ‚New York Times‘ in fünf Jahren noch gedruckt wird, ist mir egal.“ Harte Worte des Herausgebers Arthur Sulzberger, die er vor kurzem in einem Interview aussprochen hat.

Es ist eine nicht enden wollende Diskussion über die Zukunft der Printmedien. Bleibt uns das Papier erhalten oder wird in zehn Jahren nur noch durch das Internet geklickt? Eine Frage, die wohl keiner beantworten kann.Prognosen haben schon viele aufgestellt. Bill Gates zum Beispiel, der 2005 das Ende der Printmedien prophezeite. Doch was steht dahinter? Der Zeitungsmarkt befindet sich in einer Krise – das ist sicher. Aber Medien konkurrieren nicht erst seit vorgestern miteinander. Bereits 1913, als die Zeitung in Konkurrenz zum Buch trat, stellte ein gewisser Wolfgang Riepl fest, dass Medien einander nicht ersetzen, sondern ergänzen sollten. Diese Prophezeiung ging in der Zeitungswissenschaft als das „Rieplsche Gesetz“ ein. Also gibt es vielleicht doch ein Fünkchen Hoffnung am Horizont. Aber theoretische Klauseln helfen nicht, die derzeitige Situation zu verleugnen. Die New York Times hat zum Beispiel täglich 1,5 Millionen Online-Leser und nur 1,1 Millionen Abonnenten der Printausgabe. Der Online-Journalismus macht es einfach möglich, schnell und zeitnah zu publizieren und die Berichterstattung laufend zu aktualisieren. Die Leser können sich nach ihren individuellen Bedürfnissen informieren und sich ihre Informationsquellen selbst zusammenstellen. Eine solche Vielfalt kann die Zeitung nicht bieten. Hinzu kommt, dass der Umfang einer Tageszeitung die meisten überfordert. Es muss kurz und bündig sein.

Und jetzt, im Zeitalter der Web 2.0-Generation wird den Printmedien noch ein kräftigerer Stoß ins Abseits verpasst. Blogs und Co sprießen derzeit aus dem Boden und werden zur neuen Konkurrenz. Wenn also in Zukunft noch Zeitungen gedruckt werden sollen, dann muss sich die Printbranche in Bewegung setzen.

Inhalte sollten direkt den Leserbedürfnissen angepasst werden. So würden zwar die Auflagen um einiges geringer werden, aber es entsteht ein attraktiver Werbeplatz für Anzeigenkunden. Denn Anbieter spezieller Produkte könnten sich direkt an die spezielle Zielgruppe richten. Somit wird die Kundennähe erhöht, die Qualität steigt und die Zeitung hat eine höhere Überlebenschance.

Ganz verschließen sollte man sich aber nicht vor dem Giganten Internet: Die Verknüpfung der beiden Konkurrenten bietet den Verlagen die Chance, Inhalte der Zeitung auf mehreren Ebenen zugänglich zu machen. Diese werden medienspezifisch aufbereitet und zusammengestellt. Der Leser hat außerdem die Möglichkeit zusätzliche oder vertiefende Informationen im Online-Angebot zu erhalten.

Letztendlich ist bei den Verlagen die Alarmstufe schon längst auf Rot geschalten und alle versuchen sich über Wasser zu halten. Bleibt abzuwarten, ob am Ende das Internet siegt oder die Printbranche diese Krise überlebt.

Kategorie : Sonstiges, Web 2.Q

Kommentare

1

Ja die nächsten Jahre werden interessant, wie sich unsere Medienlandschaft entwickelt und wie sich traditionelle Medienunternehmen einstellen werden. Ein paar Meinungen dazu auch bei mir: http://sg-design.net/micgot/?p=51

2

ZEIT online berichtet in ihrem aktuellen Artikel „Papier wird ungedultig“ über den raschen Wandel in der Mediennutzung der letzten beiden Jahren. Auch wenn dieser Artikel die Frage nicht beantworten kann, ob Zeitungen in Zukunft noch gedruckt werden, kommt man zu dem Schluss, dass der Qualitätsjournalismus sich nicht durch den Bürgerjournalismus ablösen wird. Zeitungsverlage können sich durch Tiefe und gut recherchierte Artikel immer noch abheben.

3

Also Mathias Döpfner ist in den Handelblatt Interview anderer Meinung:
.

Bewegen sich die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenunternehmen nicht zu sehr noch in den alten Denkmustern des analogen Zeitalters?

Zum einen: Das analoge Zeitalter sollte man nicht vorzeitig zu Grabe tragen. Wir verdienen mit neuen Zeitungen und Zeitschriften schneller Geld denn je, und mit Traditions-Blättern mehr Geld denn je. Zeitungen, die gut gemacht werden, sind kerngesund. Printjournalismus hat Zukunft. Der Weltverband der Zeitungen hat in seiner aktuellen Statistik ein weltweites Wachstum der Zeitungsauflagen um 10 Prozent über die letzten 5 Jahre gemeldet. Auch die Anzahl der Titel zahlungspflichtiger Tageszeitungen stieg um 13 Prozent auf erstmals über 10 000. Die Zeitungen erwirtschaften 180 Milliarden Dollar und mehr Anzeigenumsatz als Rundfunk-, Außen-, Kino-, Zeitschriften- und Internet-Werbung zusammen. Zum anderen: Entscheidend wird sein, ob es gelingt, unsere Stärken, also Marken, inhaltliche Kompetenz und die Treue der Zielgruppen, in Geschäftsmodelle der digitalen Welt zu übertragen. Ich bin da optimistisch.

[Link]

Mehr sage ich aber nicht dazu…

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