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Podvertising

12. März, 2007 von Conny Espenhahn
Geld mit Podcasts verdienen
Geld mit Podcasts verdienen

Podvertising als Wortschöpfung aus den Begriffen Podcast und Advertising (= Werbung) ist die logische Konsequenz aus dem Web 2.0. Vorstufe dazu war die Vernetzung der Podcast-Community, nun folgt die Vermarktung. Die Werbetreibenden erschließen auf diese Art die neuen, individualisierten Kommunikationsformen im Internet und für die Podcaster bietet Podvertising eine Möglichkeit der Refinanzierung oder im besten Fall sogar die Chance, das Hobby zum Beruf zu machen. Doch aktuell schafften es rund 20 Prozent aller Podcasts nicht einmal bis zur zehnten Ausgabe. Im Kreislauf können die Einnahmen auch zur Professionalisierung des Poddings führen, was wiederrum mehr Hörer anzieht.

Beim Podvertising werden Werbebotschaften, ähnlich der Werbekampagnen im Radio, in die Audiodateien eingebunden. Das bringt den Machern nicht nur Kohle, sondern minimiert bei den Werbenden auch die Streueffekte, da Spots in Abstimmung auf die Podcastinhalte platziert werden können. In den USA wurden im Jahr 2006 bereits circa 80 Millionen Dollar in diese neue Werbeform investiert. Experten prognostieren einen Anstieg auf das Dreifache in den nächsten zwei Jahren. In Deutschland hingegen ist der Trend zwar deutlich zu spüren, der große Durchbruch dürfte allerdings auf Grund der „allgegenwärtigen deutschen Skepsis“ etwas langwieriger daherkommen. Die Zweifler argumentieren vor allem mit dem Nischendasein des Podcasts: Die beliebtesten Formate werden nicht mehr als 50.000 Mal down geloaded. Hinzu kommt, dass es bei über 500 Podcasts bundesweit schwer fällt, den richtigen zum Hörer und zum passenden Werbenden zu bringen. Das Zögern ist demnach auch irgendwie verständlich. Dennoch haben es einige Große inzwischen vorgemacht: Sony Ericsson, Casio, Tiscali und Napster sind nur einige von ihnen. Die Zahlen sprechen für sie.

Anhaltende, gigantische Verkaufszahlen von iPods, MP3-Playern und MP3-fähigen Handys sowie steigende Nutzer- und Podcaster-Zahlen untermauern die Voraussagen, dass durch die Selbstprofilierungsmöglichkeiten des Web 2.0 nicht nur neue, boomende Kommunikationskanäle, sondern im gleichen Zug auch neue Werbekanäle geschaffen wurden, die es zu bedienen gilt. Denn obwohl das Podvertising auch in absehbarer Zukunft seinen Nischencharakter behalten wird, liegt doch die Effektivität und nicht zuletzt auch die Effizienz dieser Werbeform klar auf der Hand. Der Rezipient entscheidet proaktiv, welche Podcasts er sich anhören möchte und abgerechnet wird für die Werbetreibenden pro jedem einzelnen Zugriff.

Um trotz des geringen Anteils an regelmäßig frequentierten Stammhörern eine attraktive Reichweite zu garantieren, werden Werbebotschaften in mehreren themenspezifischen Podcasts gebündelt verbreitet, teilweise über 100 Stück. Wie in jedem medialen Markt von Nutzern, Anbietern und Werbetreibenden bedarf es auch dabei eines Vermittlers, der in Abhängigkeit der Inhalte der Anbieter die Werbenden mit ihren Zielgruppen zusammenführt. In diesem Fall also ein Unternehmen, das Podcasts sammelt, gegebenenfalls sichtet und die richtigen Claims an die richtigen Stellen packt. Vorreiter dieser Rolle in Deutschland ist die AD ON Media GmbH, bei der sämtliche Podcasts über die Plattform audioads.de kostenlos registriert werden können. Auf dem Zweiten Deutschen Podcast Kongress am 26. Januar in Köln stellte das Unternehmen sogar schon ein technisches Konzept zur Einbindung von Werbung in Video-Podcasts vor. Die Monopolstelung von AD ON ist demnach unbestreitbar. Allerdings ziehen weitere Unternehmen nach. Google hat in den USA eine Werbeservice für Podcasts angekündigt, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Umsetzung auch in Deutschland Einzug hält. Gewöhnliche Werbeagenturen binden den Service nach und nach in ihre Online-Marketingpakete mit ein (Beispiel: Sirup-Media), um die Onlinefeatures ihrer Kunden voll auszuschöpfen. Aber auch hiesige Großunternehmen, wie das Verlagshaus Gruner + Jahr, sind sich der neuen Einnahmequellen bewusst. Der Verlag bietet seit Kurzem ein exklusives Sponsoring von GEOaudio an, der Podcastversion der dazugehörigen Zeitschrift. Dabei dotiert er den Wert dieser Medienleistung im Zeitraum von vier Wochen auf mindestens 7.000 Euro. Dem entgegen stehen 4.500 garantierte Downloads pro Woche. Eine Zahl, von der die meisten Privat-Podder weit entfernt sein dürften, die aber dennoch Hoffnung für die Zukunft macht.

Teil zwei morgen: Das erste Geld mit dem eigenen Podcast

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Kategorie : Web 2.Q

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