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Open Source: Neue Generation Film

17. April, 2007 von Martin Grau
open source film
Die Klappe nicht mehr allein schlagen

Junge Filmemacher setzen immer mehr auf innovative Produktionen, um ihre Ideen an ein Publikum weiterzugeben. Neben dem Filmtrip, ein Mitmach-Film-Projekt, tummeln sich auch sogenannte Open Source Film Projekte im Netz. Open Source ist ursprünglich ein Begriff der meist auf Computersoftware angewendet wurde. Er bedeutet, dass es jedem ermöglicht wird, Einblick in den Quelltext eines Programms zu nehmen. Bekanntestes Beispiel ist das Betriebssystem Linux. Nun haben Filmemacher diesen Ansatzpunkt für sich entdeckt und präsentieren ihre Ideen im Internet. Dabei geht die Interpretation vom „Open Source Film“ weit auseinander. DenQuer hat sich beispielhaft vier dieser Projekte genauer angesehen.

Schnitt dank Open Source

Das Projekt „Stray Cinema“ der jungen neuseeländischen Filmmacherin Michelle Hughes ist ein gutes Beispiel. Die in London gedrehten Rohmaterialien können von der Seite heruntergeladen und nach eigenen Ideen zusammengeschnitten werden. Nach erfolgreichem Download stehen circa 70 Minuten Rohmaterial zur freien Entfaltung zur Verfügung. Je nach Belieben können auch direkt Musiktitel für den eigenen Film heruntergeladen werden. Jeder Teilnehmer hat bei der Gestaltung seines Films freie Hand und kann bis zu 20 Prozent eigenes Filmmaterial einsetzen. Am Ende sollte der Film die Zwei-Minutenmarke aber nicht überschreiten. Noch bis zum 1. Juli 2007 können Interessierte ihre eigenen Werke einreichen. Die besten fünf Einsendungen werden dann am 21. August 2007 in London der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Unterstützung für jeden, der noch nie einen Film geschnitten hat, gibt es zusätzlich nützliche Tipps und Tricks direkt auf der Seite. An einer Fortsetzung für das Jahr 2008 wird schon gearbeitet. Aktuelle Werke können auf YouTube begutachtet werden, denn ein Youtube-Upload ist zwingend zur Teilnahme am Wettbewerb nötig.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=mtWZHZuDpE0[/youtube]

„Two Lives“ Beispielfilm des „Stray Cinema“ Projektes

Sparen dank Open Source

Jeder Filmemacher weiß, dass horrende Kosten für die Produktion eines Filmes anfallen. So verschlingen beispielsweise Musikrechte und Softwarelizenzen einige tausend Euro. Das niederländische Kurzfilmprojekt „Elephants Dream“ benutzt deshalb kostenlose Open Source Software wie das 3D-Modellierungsprogramm „Blender“ und Musiklizenzen von „Creative Commons“. Die gemeinnützige Gesellschaft „Creative Commons“ veröffentlicht verschiedene Standard-Lizenzverträge mit der die Autoren an ihren Werken Nutzungsrechte für andere einräumen können.
Der circa 10-minütige Kurzanimationsfilm „Elephants Dreams“ ist im Zeitraum von September 2005 bis März 2006 in Co-Produktion vom „Netherlands Media Art Institute Montevideo“ und der „BlenderFoundation“ entstanden. Für den syrisch-amerikanischen Regisseur Bassam Kurdali ist „Elephants Dream“ eines der ersten größeren Projekte. Zur internationalen Crew gehören neben Niederländern, Australiern, Amerikanern oder Finnen auch die Deutschen Jan Morgenstern (Sound Designer) und Andreas Goralczyk (Art Director).

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=mhRKZcKzgm4[/youtube]

„Elephants Dream“ ein Film von Bassam Kurdali

Verfügbarkeit dank Open Source

Das Leipziger Netlabel „VEB Film“ produziert Filme und stellt jegliche Filmelemente wie Drehbücher, Musik oder den ganzen Film der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung. Gründer des Projekts sind Stefan Kluge und Thomas P. Bechholds. Da die Filme unter einer der schon erwähnten „Creative Commons Lizenz“ stehen, dürfen die Materialien von „VEB Film“ kopiert, verändert und teilweise sogar kommerziell genutzt werden. „Du bist willkommen, Dich bei uns frei zu bedienen!“, so die Aufforderung des Leipziger Unternehmens. Zurzeit arbeiten die Leipziger an der Fertigstellung ihres neusten Streifens „Die letzte Droge“. Nach Webseitenangaben ist es „der erste freie HD-Spielfilm der Welt“. Noch haben sich die Projekte von „VEB Film“ nicht ganz rentiert, denn am 06.04.2007 veröffentlichte man den aktuellen Kontostand mit einem satten Minus von rund 8.700 Euro.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=UZd5MPxXt5g[/youtube]

Teaser zu „Die letzte Droge“

Einfluss dank Open Source

Für 25 Pfund (circa 37 Euro) kann sich jeder am Filmprojekt „A Swarm of Angels“ beteiligen. Alle Teilnehmer haben Einfluss darauf wie der Film am Ende aussehen soll. Die Community hat bis jetzt etwas weniger als 1.000 User, welche zurzeit an zwei Drehbücher mit dem Projektverantwortlichen und Regisseur Matt Hanson arbeiten. Dieser stellte zu Beginn des Projekts ein Drehbuchentwurf eines Thrillers mit wenigen Science Fiction Elementen zur Verfügung. Aus den Diskussionen mit den Communitymitgliedern entstehen nun die Drehbücher zu „The Unfold“ und „Glitch“. Nach der Entwicklung der Bücher wird entschieden, welcher Film realisiert wird. Der entstehende Film soll dann kostenlos im Internet verteilt werden. Ziel des Projektes ist es einen eine Millionen Pfund Film zu machen und ihn mindestens an eine Millionen Leute zu verteilen. Für das Projekt bedeutet das, dass es mindestens 40.000 Mitglieder benötigt um das angestrebte Ziel zu verwirklichen.

A Swarm of Angels

Fazit

Innovativ und schön sind die Open Source Projekte, schade ist eigentlich nur, dass bisher nur wenige Unterstützer zu finden sind. „A Swarm of Angels“ ist noch weit entfernt von 40.000 Teilnehmern, „VEB Film“ fehlt es derzeit auch noch an Geldgebern, die die Projekte zu finanziellen Erfolg führen. Die Entwicklung ist sicherlich positiv, denn das Internet ermöglicht Millionen von Menschen auf solche kleinen Projekte aufmerksam zu werden. Für die Initiatoren sind die Ideen des Open Source Films mit hohen Kosten verbunden. Einige Zeit wird sicherlich noch vergehen müssen, damit die konzepte und Ideen auch ein Publikum erreichen, welches für den Erfolg sorgen könnte. Ob sich solche Ideen finanziell lohnen werden ist unklar, doch die fertigen Produkte überzeugen durch Qualität und es bleibt nur allen Projekten viel Erfolg bei deren Umsetzung zu wünschen.

Wer weitere Open Source Filme kennt, kann diese gern in den Kommentaren ergänzen und vielleicht gibt es schon bald eine Fortsetzung dieses Artikels.

Kategorie : Web 2.Q

Kommentare

1

super zusammnegefasst und schön geschrieben…
ist auf jeden fall interessant, was da grad paaiert in der filmbranche und ein sehr gutes beispiel in meinen augen, wie stark die medien (film und internet) miteinander verschmelzen…
mals sehen was draus wird, auf jeden fall ist es momentan noch so, dass leider zuwenig zuspruch da ist, aber ich bin sicher, dass ändert sich im laufe der nächsten jahre!

2

Überboss…maddin is und bleibt der boss…ich bin dankbar dir dienen zu dürfen…immer am ball bleiben (wie die kickers, hehe…)

3

sehr interessante thematik, äußerst ansprechende verlinkung.
der autor fasst förmlich und sachgerecht zusammen,
verliert trotz gegebener objektivität nicht seinen subtilen charme und seine grazile federführung.
von mir gibt es dafür 5 kochlöffel!

4

Der Artikel ist übersichtlich und informativ. Da wir mit unserem Filmtrip vor haben, zmd. mit dem Trailer eine open-source Aktion zu machen, werde ich diese Projekte verfolgen, um zu sehen, wie es angenommen wird. Von mir gabs auch 5 Sterne … moderner Journalismus … mit Links und Videos zwischen drin … toll!

5

[…] von Martin Grau hinweisen, der einen weiteren neuen Trend in der Filmbranche entdeckt hat und einen Artikel über Open Source Filme geschrieben […]

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