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Neuer Trend: Das Diplog

12. Februar, 2007 von Susann Reichert
Diplomarbeit 2.0 - Das Diplog

Immer mehr Studenten entdecken das Bloggen für sich. Keine neue Erkenntnis? Stimmt. Interessant wird es erst, wenn das Studium sich dem Ende neigt und die Diplomarbeit zum Blogthema wird – oder der Blog zum Diplomthema.

Wie bei Alex Klein aus Berlin. Er schrieb seine Diplomarbeit über „Weblogs im unternehmerischen Umfeld“ – was liegt da näher, als selbst ein Blog zu betreiben? Im September 2005 begann er die Entstehung seiner Diplomarbeit zu dokumentieren. Inzwischen ist sie fertig, die Entstehungsgeschichte bleibt in seinem Diplog verewigt.

Warum sich der Aufwand lohnt, erklärt Judith Böhm: Man hängt so oder so im Internet herum, schreibt sie in ihrem Blog, und bleibt auf dem neuesten Stand. Man erweitert seinen Horizont durch das ganze unnütze Wissen, über das man dabei stolpert. Manchmal nützt es einem sogar für die eigene Arbeit – schließlich sind Bücher allein nicht der heilige Gral, das Internet hält ebensoviel Expertenwissen bereit. Man lässt die Arbeit nicht schleifen, da ein Blog regelmäßige Updates erfordert. Man gibt sich mehr Mühe, wenn man weiß, dass theoretisch jeder die eigene Arbeit verfolgen kann – zum Beispiel auch der spätere Arbeitgeber. Schließlich dient ein Blog nicht zuletzt der Selbstdarstellung.

Judith Böhm schrieb ihr Diplom übrigens zum Thema „Virusmarketing“. Ähnlich wie Martin Oetting, Leiter des Berliner Büros von trnd.com. Er verfasst seine Doktorarbeit – wie könnte es anders sein – zum Thema Viral Marketing und Mundpropaganda und bloggt ebenfalls. Die Liste ist endlos: Tim Bartel diplomierte und bloggte über die Nutzung von Wikis, Tim Kirlicks über Web 2.0 als solches und Marek Nierychlo über das Nischenthema Online-Diäten.

Was auffällt: Diplomblogger schreiben über internetaffine Themen. Das ist einerseits naheliegend: Schließlich treiben sich Blogger überdurchschnittlich viel im Internet herum, da ist eine Beeinflussung fast unvermeidlich. Andererseits ist es auch schade. Wo bleiben die Blogbetreiber unter den Biologie-, Mathematik- oder Maschinenbau-Studenten? Schließlich könnten auch diese das Internet nutzen, um sich Anregungen zu holen und nicht zuletzt ihr Thema einem großen (Laien-)Publikum zugänglich zu machen. Doch wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit. In zwei oder drei Jahren, vermutet Judith Böhm, wird das Bloggen über die Diplomarbeit deshalb zur Selbstverständlichkeit geworden sein. Auch für Diplomanden, die sich nicht vorrangig mit dem Internet beschäftigen. So wie Joerdis Heizmann, die sich einem politischen Thema widmet: Sie nennt es „designing society“. Ihren Blog hat sie erst vor kurzem eröffnet – da gibt es in Zukunft noch viel zu lesen.

Kategorie : Sonstiges, Web 2.Q

Kommentare

1

Also in meinen Augen nen echt interessanter Ansatz.
Ich meine, Tagebuch führen über seine täglichen bzw. wöchentlichen oder wenigstens monatlichen Aktivitäten iss ja nie verkehrt. Wenn man das dann mit wichtigen Arbeiten verbindet, die ja immer an einen Abgabetermin gebunden sind, ist das glaub ich ein ganz neuer Aspekt von Zeitmanagement: Sich jeden Abend/Tag genüber dem Rest der Welt rechtfertigen, was man heute wieder geschafft hat.
…lustig wirds nur, wenn das zum Trend wird und die eh schon rassende Vermehrung von Blog-Seiten somit noch mal einen rassanten Aufschwung erfährt…

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Pionierarbeit hat in dem Zusammenhang übrigens Gerrit van Aaken geleistet: http://praegnanz.de Er veröffentlichte dort seine Studien über Podcasts noch lange bevor viele von uns wussten, was das ist.

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[…] Arbeiten sind zwar älter, jedoch habe ich sie erst jetzt entdeckt. Genaueres könnt ihr bei denquer […]

4

Darf man einfach so Informationen aus seiner Abschlussarbeit vorher veröffentlichen?

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Hagen: Genau das ist ja Sinn der Sache: Zeitmanagement, das Ziel im Auge behalten. (Neben dem Selbstdarstellungsdrang natürlich, den sowieso alle Blogger haben 😉 )

Fabian: Danke für den Link!

Tino: Klar darf man. Man ist doch alleiniger Urheber seiner Diplomarbeit und kann damit machen, was man will. Problematisch wird es höchstens bei externen Arbeiten, wenn die Firma etwas gegen die (Vorab-)Veröffentlichung hat (könnten ja auch interne Daten drin vorkommen oder ähnliches).

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[…] rund um den Film, die Vermarktung und die Podcasts drehen wird. Hier wird in dieser Zeit also ein Diplog entstehen, in dem wir versuchen werden, euch etwas Hintergrundwissen zu vermitteln. Die genauen […]

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