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Der häufigste Fehler junger Filmemacher

22. Februar, 2007 von Tino Krener
Berndt Guentzel-Lingner
Berndt Guentzel-Lingner

Berndt-Günzel Lingner von „Junge Filmszene“, einem Projekt des Bundesverband Jugend und Film e.V., erzählt über häufige Fehler junger Filmemacher, gibt einen Ausblick auf neue Trends und stellt die Plattform JungeFilmszene.de etwas näher vor. Das Interview gibt es in Audioform in der siebten Ausgabe des denQuer Podcasts.

Du warst Jurymitglieder in einer Vielzahl von Festivals und Visionalen. Auf was achtest du besonders bei Kurzfilmen?

Wir schauen in erster Linie nach Originalität, Inhalt und Umsetzung. Es spielen auch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen eine Rolle. Ein Filmprojekt, was zum Beispiel an einer Förderschule entstanden ist, hat natürlich einen anderen Bonus, weil diese teils von Jugendlichen produziert werden, die nicht die kognitiven Fähigkeiten haben, die man von einem Filmstudenten erwarten kann.

Welche handwerklichen Fehler dürfen einem Filmemacher nicht passieren?

Da könnte man wahrscheinlich eine sehr lange Liste aufmachen. Ein typisches Beispiel ist, wenn ein Film damit beginnt, dass jemand im Bett liegt, es klingelt der Wecker und er steht auf. Dann geht in der Regel ein Stöhnen durch die Jury. Weil das ist so eine Standardszene, die immer wieder vorkommt, wo ich jeden Filmemacher empfehle, bitte lasst es doch. Dann neigen Filmemacher oftmals dazu, viel mehr zu erzählen als notwendig ist, um die Geschichte zu verstehen. Viele haben ein Problem mit dem Rhythmus eines Filmes. Das was man als Sehgewohnheit kennt, mit dem Einstieg in die Filmgeschichte, dann den ersten Plott und dann die eigentliche Konfliktszenerie eines zweiten Aktes hin zum Höhepunkt und der Auflösung.

Welche Trends siehst du in der Machart von Filmen?

Durch die digitale Technik haben sich dramaturgische Dinge mit in Szene gesetzt. Ein typisches dramaturgisches Mittel, was digital bedingt ist, ist das Screen-Splitting. Dies wird häufig als Stilmittel eingesetzt und damit gelingt es Machern auf sehr spannende Weise das Screen-Splitting als sinnvolles dramaturgisches Mittel zu nutzen. Zum Beispiel eine junge Frau ist in eine Wohnung eingebrochen, weil sie etwas über den Typen, dem die Wohnung gehört, erfahren will und gleichzeitig sieht man durch Screen-Splitting, wie genau der Typ gerade im Fahrstuhl hoch fährt. Dadurch entsteht ein Spannungsmoment. Man brauch nicht mehr Schuss und Gegenschuss, Schnitt und Gegenschnitt machen, sondern kann dies in einem machen.

Nehmen wir mal an, ich bin ein junger, ambitionierter Filmemacher, habe eine Drehbuch, aber leider keine Ahnung vom Filmemachen. Was könntet ihr für mich tun?

Ich würde dich bitten als erstes ein Exposé des Drehbuch zu schicken und würde dir dann eine Kritik zurück schreiben. Ich würde dir bei der Entwicklung des Drehbuchs noch Tipps und Hinweise geben und dann schauen, wo es in deiner Nähe Zugang zur Technik für die Umsetzung gibt. In unserem Newsletter oder auf der Pinnwand kann ich einen Aufruf starten, wenn noch Leute für das Team gebraucht werden. Dadurch kann ich so ein Projekt ganz individuell begleiten.

Ihr bietet einen Service für Filmeinreichungen an. Wie funktioniert das?

Jein. Bei uns reicht man Filme ein, wenn man bei der Werkstatt für junge Filmer teilnehmen will. Dies ist mehr ein Festivalforum, weil es dort keine Preise gibt, sondern die Kommunikation im Vordergrund steht. Wir laden hier immer alle Filmemacher ein, weil der Austausch untereinander sehr wichtig ist. Von hier aus gibt es verschiedene Verwertungswege. Einmal nominieren wir eine kleine Anzahl von Fime für das „Up- and Coming Filmfestival Hannover“, welches aller zwei Jahre statt findet. Dann stellen wir ein Kurzfilmprogramm aus den aktuellen Einreichungen für ein Klinikinfokanal zusammen. Das ist ein gewerblicher Klinikfernsehsender, der in Zusammenarbeit mit uns ein Kurzfilmprogramm aufgemacht hat. Dafür gibt es auch etwas Geld. Vor zwei Jahren haben wir zum ersten Mal eine Kurzfilm DVD produziert und herausgegeben. Diese ist so gut angekommen, dass wir inzwischen beschlossen haben, ein Kurzfilmlabel mit dem Titel „Geradeaus“ in Szene zu setzen und jedes Jahr eine DVD mit Kurzfilmen aus der Szene zu produzieren.

Das Interview führte Fabian Schmidt

Kategorie : Sonstiges, Web 2.Q

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