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denQuer — jetzt und morgen

6. März, 2007 von Martin Grau
wird zum Netzwerk
denQuer wird zum Netzwerk

Täglich neue Informationen, einen Podcast, positives Feedback und viele Ideen auf denQuer. Fünf Monate nach dem Startschuss befragen wir den Redaktionsleiter und Mitbegründer Tino Kreßner (22) zum Thema „denQuer jetzt und morgen“. Das Interview bildet den zweiten Teil zu „Die fünfte Gewalt im Staat„.

denQuer.de hat sich zu einer Anlaufstelle für aktuelle, medienrelevante Themen entwickelt. Wie würdest du denQuer beschreiben?

Wir verstehen uns mit denQuer als Plattform für den Mediennachwuchs. Hier sollen junge Medienschaffende, für sie relevante News und Trends, aufbereitet bekommen und eine Möglichkeit haben eigene Projekte vorzustellen.

Vor kurzem haben wir mit dir ein Interview über den Bürgerjournalismus geführt. Ist denQuer auch Bürgerjournalismus?

Mit denQuer arbeiten wir wahrscheinlich genau an der Grenze zum Begriff Bürgerjournalismus. Wir haben eine Redaktion, Ressortleiter und einen Redaktionsleiter. Genau, wie bei richtigen Magazinen, aber unterliegen keinen Auflagenzwängen oder sind von dem Projekt finanziell abhängig. Wir haben mit denQuer Null Euro investiert und bisher auch Null Euro erwirtschaftet. Alle arbeiten aus persönlichem Interesse und Freude an diesem Projekt. Kommt morgen überhaupt ein Artikel oder übermorgen gar zwei? Ich weiß es nicht und wir machen uns da auch keinen Druck.

Wie kommt man auf die Idee ein solches Portal zu gründen?

Wir sind selbst die Zielgruppe dieser Plattform. Wir arbeiten täglich im Medienbereich und kommen mit Informationen und Trends in Berührung. Durch denQuer haben wir eine Möglichkeit unser Wissen zu teilen und weiter zu geben. Dieser Community-Gedanke des Web 2.0 hat mich persönlich fasziniert. Auch gibt es kein Magazin speziell für junge Medienschaffende in Deutschland. Meist sind diese themenspezifisch und scheitern an den übergreifenden Verknüpfungen. In Mittweida haben wir gelernt, cross-medial zu denken und alles mit einander zu verbinden. In den ersten Podcasts haben wir unsere Interviewpartner immer gefragt, ob sie ein Spezialwissen oder breites Überblickswissen empfehlen. Alle haben als Basis auf das breite Überblickswissen getippt und später eine Spezialisierung empfohlen. Nun ja, auf denQuer bekommt ihr die Basis. Spezialseiten und -magazine mit Expertenwissen, stellen wir vor oder verlinken sie.

Wie lange gibt es das denQuer-Portal schon und wie habt ihr angefangen?

denQuer hat drei Phasen bis zum heutigen Stand durchlaufen. Eine interne Entwicklungsphase von Juli bis Anfang Oktober 2006. Damals noch unter dem Arbeitstitel „Traumfabrik“. Am 6. Oktober sind wir dann unter der Internetadresse www.denQuer.de online gegangen. Unser Hauptfokus lag auf dem Präsentieren und Vorstellen von Nachwuchsprojekten, was leider schnell in Eigenwerbung gemündet ist. Der zugehörige Podcast hat dann durch seine Interviews und später den Mediennews immer mehr Impulse gegeben. Als ich im Januar 2007 dann mit der technischen Entwicklung der Plattform soweit fertig war, haben wir innerhalb des Vereins Bewegende Bilder e.V. eine Redaktion gegründet. Mit einem professionelleren Layout haben wir dann Anfang Februar die dritte Phase eingeläutet und liefern nun täglich Berichte über und aus der Medienbranche.

Kannst du ein paar Worte zum angesprochenen Audio-Podcast verlieren?

Als Fabian Schmidt damals zu mir kam und sagte, wir sollten einen Podcast machen, war ich ehrlich gesagt mit dem Thema noch nicht richtig vertraut. Schon mit den ersten Beispielen konnte er mich aber überzeugen: Kleine themenspezifische Audiobeiträge, die man bequem und kostenlos abonnieren kann. Durch seine Fähigkeiten als Radiomacher und meine als Webpublizist haben wir beschlossen, denQuer von Anfang an mit einem Podcast zu begleiten und können inzwischen stolz sein, auf gute und informative Interviews mit Experten aus der Medienbranche. Mit Conny Espenhahn konnten wir den Podcast einen Mehrwert geben und ihn mit zielgruppengerechten Mediennews bestücken.

Gibt es Bestrebungen in Richtung Videocast?

Über einen Videocast denken wir schon lange nach. Wir haben eine ziemlich geniale Idee, die Deutschland so noch nicht gesehen hat und noch diesen Sommer online geht. Mehr wird aber noch nicht verraten.

denQuer hat viele freie Redakteure um täglich einen neuen Beitrag zu bieten. Wie viele Redakteure seid ihr und wie motiviert ihr euch immer dran zu bleiben?

An denQuer arbeiten inzwischen acht freie Redakteure. Als gemeinnütziger Verein haben wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, ihre journalistischen Fähigkeiten zu trainieren und auszubauen. Durch die Recherche sind wir immer informiert, über Vorgänge und Hintergründe der Medienszene. Können also überall mitreden und entdecken für unsere berufliche Arbeit ständig neue Trends und Bewegungen. Ein großer Teil der Motivation kommt aus dem Networking. Wir bekommen von anderen Medienschaffenden Feedback und knüpfen durch diese Plattform wertvolle Kontakte. Zumal so eine Internetseite natürlich auch eine tolle Referenz ist und man richtig stolz ist, wenn bei Google der eigens geschriebene Artikel an erster Stelle steht oder andere Seiten auf diesen Artikel verlinken.

Ich habe gehört, dass ihr mittlerweile so gut ankommt, dass eure freiwilligen Redakteure sogar geringfügig entschädigt werden können. Wie setzt man sich in der so genannten Blogosphäre durch?

Gewinn möchten wir als gemeinnütziger Verein nicht erzielen. Gibt es Einnahmen, werden die entweder wieder in das Projekt investiert oder an die Redakteure weiter gegeben. Durchsetzen kann man sich in meinen Augen nur durch zielgruppengerecht aufbereitete Informationen plus eine Brise Authentizität und Professionalität. Oder man ist wie Robert Basic auf seinen Blog durch stündliche Beiträge bei vielen Themen immer der Erste, der darüber schreibt. Da reicht dann meist auch nur ein Satz, mit dem Hinweis: „Guckt mal, da gibt es was Neues zu sehen.“

Wie sind die Reaktionen eurer Nutzer?

Das private Feedback ist sehr positiv bisher. Diskussionen direkt auf der Seite sind leider noch etwas verhalten, aber diese Möglichkeit selbst mit den Redakteuren über den Artikel oder den Inhalt auf der Seite zu diskutieren, ist verhältnismäßig noch sehr neu. Wie wir wissen, benötigt das menschliche Verhalten immer etwas Zeit, sich an derartige Veränderungen an zu passen.

Was plant Ihr in Zukunft?

denQuer wird aktiv durch die Mitarbeiter an dem Projekt gestaltet. Ich bin der Meinung, dass so eine Plattform nur erfolgreich sein kann, wenn sich alle Redakteure mit diesem Projekt identifizieren können und Spaß daran haben. Jeder neuer Redakteur bringt neue Ideen mit. So haben wir zum Beispiel durch Sören Schaller eine Rubrik „unbeQuem“ und durch Stefan Oßwald die Presseschau eingeführt. Meine Vorgabe ist es an der Zielgruppe dran zu bleiben und ein informatives und übersichtliches Angebot zu schaffen. Innerhalb dieser Grenzen wird die Plattform denQuer in den nächsten Monaten wachsen und sich entwickeln. Ab Mitte März bauen wir denQuer, wie schon länger geplant, zum Mediensupport-Netzwerk aus und starten das erste Spin-off Projekt. Ich kann schon soviel verraten – es wird grün.

Das Interview führte Martin Grau.

Kategorie : Web 2.Q

Kommentare

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Martin Kettner
7. März 2007 um 18:48

Laut Aussage in diesem Interview habt ihr „eine Redaktion, Ressortleiter und einen Redaktionsleiter.“
Leider findet man auf eurer Seite keinen Hinweis, wer dies beispielsweise nun genau ist beziehungsweise welche Referenzen derjenige im Bereich der Medien vorweisen kann. In jeder Zeitung werden beispielsweise Ressortleiter (…) im Impressum vorgestellt bzw. erwähnt.
Als krtischer Nutzer (der ja heutzutage so häufig gefordert wird) bin ich förmlich gezwungen die „Glaubwürdigkeit“ und die „Nachprüfbarkeit“ euerer Informationen zu hinterfragen.

2

Danke Martin für den Hinweis. Ich habe unter „Über uns“ eine Übersicht angelegt und schreibe alle Redakteure an, ihre eigenen Referenzen sowie ein paar Worte über sich selbst nieder zuschreiben.

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