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So verkauft man sein Kind im Netz

6. Februar, 2008 von Stefan Oßwald

Gestern bin ich eigentlich nur wegen seinem Beitrag mal auf MyVideo gewesen, einer Videoplattform, der ich sonst eigentlich keine Aufmerksamkeit schenke. Beim Blick in die Top100 blieb mir dann auch noch bei einem Video der Mund offen stehen. Nicht vor Staunen, sondern vor Entsetzen.
Bei dem Video mit dem Titel „Flick Flack Flocke – Kleiner Eisbär Flocke“ singt ein Kind ein Lied über den neuen „Star“ des Nürnberger Zoos. Im Text versucht er dabei Knut und Flocke zu verkuppeln und zum Sex zu animieren, damit es irgendwann ganz viele Eisbären sind. Hinzu kommt noch eine grausame Hintergrundmusik, die einer Dorfdisko im Jahre 1998 entsprungen zu sein scheint.

Da will jemand auf den Flocke-Zug aufspringen und schnell ein bisschen Geld verdienen, oder einfach für seinen mehr oder weniger erfolgreichen Musikverlag ein bisschen PR. Nichts eignet sich besser dafür als das Internet, speziell Videoplattformen.
Wenn da nicht dieses grässliche Video mit der noch grässlicheren Musik wäre. Zu Beginn des in Absurdistan produzierzten Hochglanzvideos wird dem Zuschauer ersteinmal der Name des Sängers entgegengeknallt: „David Carras“. „Ach der!“ – werden sicher viele denken, ich kannte ihn nicht. Also auf zu Google – kein wirklicher Treffer, abgesehen vom Flocke-Video. Nach 10 Minuten und ein paar Experimenten mit den Suchbegriffen, logischem Denken und einer kleinen Prise Glück dann endlich die Erleuchtung. Es ist der Sohn von Matthias Carras. „Ach der!“ – werden sicher viele denken, ich kannte ihn nicht. Auf dem Katzenbach Open Air muss er allerdings ein ganz Großer sein.
Wenn es bei der Karriere vom Papa nicht richtig läuft, muss also der Sohn hinhalten. Dabei werden natürlich alle Register gezogen: Aus „Schni Schna Schnappi“ wird „Flick Flack Flocke“ – sehr kreativ. Dann kommt natürlich dieser Kinderbonus hinzu. Natürlich darf im Video auch die süße, knuddelige Flocke nicht fehlen. Um das ganze abzurunden baut man auch den Knut noch mit rein.
Aber mal ehrlich, was denken sich Eltern und Produzenten wenn sie sowas auf die Menschheit loslassen? Das Kind springt wie auf Drogen vor dem Mikro rum und der einzige der wirklich Spaß zu haben scheint, ist der Kasper in der Tonregie, die ab und zu zu sehen ist. An dem Bildmaterial von Flocke und Knut besitzen sie sicherlich auch nicht die Verwertungsrechte, aber das interessiert ja sowieso keinen. Hauptsache es wird noch die Internetadresse des produzierenden Musikverlages eingeblendet, wo man während des Betrachtens der Website an Augenkrebs erkrankt.
Alles in allem ein Schuss in den Ofen und ich hoffe den Machern wird keine Aufmerksamkeit seitens potentiellen Kandidaten wie der Bild oder „RTL punkt 12“ geschenkt.
Bleibt nur zu sagen: Das arme Kind, es wird sich in Grund und Boden schämen wenn man ihm das Video in 10 Jahren nochmal zeigt. Den Eltern wünsche ich an dieser Stelle für diesen Fehltritt Hausarrest!

Kategorie : Sonstiges, unbeQuem

Kommentare

1

pass auf dass das video nicht morgen schon durch ein anderes ersetzt wird ^^

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ganz, ganz bitter. Und dann auch noch die Links, die in den Abgrund des Internets führen.

3

oh mann, wie sich ein erwachsener und intelligenter mensch so aufregen kann. das war doch nur ein spass – und wo wird denn hier geld verdient ? der kleine junge wollte einfach als geburtstagsgeschenk ein eigenes video haben und das kam dabei heraus… mehr nicht… aber danke, dass man so auf den song aufmerksam wird. damit kommt er vielleicht doch noch an die richtige kommerzielle stelle… und mein beileid wegen des augenkrebs… marcus

4

Ich finde den kleinen süß.
Der hat doch richtig Spaß dran.
Man kann auch alles schlecht machen.
Verena

5

Hat der stefan schon kids ??? Wenn einmal wird er sich wundern, wie hartnäckig die ihre wünsche durchsetzen können. Also lasst den Jungen doch sich austoben. Ist doch ganz knuffi. sina

6

Nein ich habe noch keine Kids. Wenn es sich ein Video wünscht, würde ich ihm diesen Wunsch wahrscheinlich auch erfüllen, aber dann nicht ins Netz stellen. Es sei denn es wäre ein absoluter Kracher.
Den Spaß kauf ich dem allerdings nicht ab. Und wenn dieses Video nur just4fun war, warum muss ich dann die überflüssigen Infos zur Produktionsfirma und vor allem den kompletten Namen des Kindes einblenden?

7

Wie gesagt: Mit dem nicht ins Netz stellen, werden Sie sich vielleicht nochmal überlegen, wenn Ihr Kleiner dann erst mal da steht und mit grossen Augen drum bittet. Weil es cool ist und die Klassen-Kameraden so was auch haben oder machen.

Die Angaben zur Firma waren doch nur ein Spass um zu zeigen, dass auch eine angesehene Firma (auch wenn die optische Präsenz nicht Ihrem Geschmack entspricht) hinter dem Buben steht. Aber auch nur aus Spass.

Alle Welt weiss – und das müssten auch Sie – dass gerade diese Art von Songs aus Namensschutzgründen an Lizenzen gebunden sind. Eine wirkliche kommerziell gewollte Auswertung würde erst der Zustimmung der Verantwortlichen in Nürnberg erfordern. Würde man da Ernsthaftes wollen, wäre es unprofessionell so ein Lied vorab im Internet zu veröffentlichen. Wenn nicht sogar rechtlich gefährlich.

Es ist und war ein Spass. Aber wir hatten ja alle etwas davon, nicht wahr ?!

8

Riesen-Nummer hier. Hat man dem Verbal-Akrobaten von ganz oben mal den Spass verdorben ;-)) Macht den Kindern!!! Kids, lasst Euch nicht den Tag verderben – weiter so! Und wenn Ihr erwachsene Verbündete findet für Eure action, alles ab ins www!!! Idealer Platz zum Austoben und „Nichtaufstauen“ solchen Drucks, wie der Anstifter dieses Blogs anscheinend verspürt.

sina

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