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Identität & Digital Devide im Informationszeitalter

11. Februar, 2008 von Tino Krener

Gastbeitrag
Teil 4: Identität & Digital Devide

Identität in der Netzwerkgesellschaft

Als Identität definiert Castells den Prozess der Konstruktion von Bedeutung auf der Basis einer kulturellen Eigenschaft oder einer Menge von zusammenhängenden kulturellen Eigenschaften, der/den vor anderen Quellen der Bedeutungsfindung Vorrang gegeben wird/werden.[1]

Er unterscheidet drei Arten von Identität: Legitimierende Identität, Widerstandsidentität und die Projektidentität, wobei er Letztere als Hauptquelle des sozialen Wandels in der Netzwerkgesellschaft sieht. Die legitimierende Identität hat ihre Quelle in einer dominanten Institutionen und dient der Rationalisierung und Erweiterung vorherrschender Strukturen. Die Widerstandsidentität bildet sich aus einem Gefühl der Entfremdung und bildet oft die Grundlage für die Projektidentität.

In Netzwerkgesellschaft ist die persönliche Identität eher definiert ist als Verhältnis zum Netzwerk als zur Familie, Staat, Stamm, … Vorherrschend waren ethnische Gemeinschaften, die sich durch gleiche sprachliche und kulturelle Eigenschaften definiert haben. Die Identität war bestimmt durch die Religion, das Land und die Familie in der man geboren ist. In globalen Netzwerken bilden sich Interessen- und Projektgruppen, die durch einen gemeinsamen Sinn gestiftet und erhalten werden. Die persönliche Identität wird durch ihre Projekte definiert.

Zu dieser globalisierten Netzwerkgesellschaft werden traditionsbehaftete Gegenbewegungen sichtbar, wie z. B. Der islamische Fundamentalismus.

Zentralisierung vs. Dezentralisierung

Mit dem Internet werden Informationen zentralisiert und gleichzeitig bietet es die Möglichkeit der dezentralisierten Rezeption und Weiterverarbeitung dieser. Menschen arbeiten ortsunabhängig (dezentral) gemeinsam an einem Projekt (zentral).

Individualisierung vs. Entindividualisierung (Vernetzung)

Mit dem Herauslösen aus Hierarchien bekommt der einzelne Mensch mehr Selbstverantwortung. Mit zunehmender Individualisierung endet das Massenpublikum und mit ihm die Massenmedien. Durch neue interaktive Netzwerke stellen sich die Medien zur Übermittlung von Botschaften stark differenziert dar.

Durch die Erweiterung des Informationsraumes mittels neuen Informationstechnologien finden sich immer mehr ähnliche Menschen. Menschen die vorher einer imaginären Subgruppe angehört haben, vereinen sich jetzt über das Internet in Massen. Das Vernetzen von Individualisierten Minderheiten kann gleichzeitig als Entindividualisierung angesehen werden. Gesellschaftliche Minderheiten, wie z. B. Schwule oder Feministinnen bilden virtuelle Gemeinschaften über Grenzen hinweg.

Gleichzeitig bildet dies eine Gefahr für die Kriminalität. Kleine lokale, ethnische kriminelle Gruppen vernetzen sich und können zu globalen Netzwerken wachsen.

Digital Devide und Entstehung einer „Vierten Welt“

Dort wo der Austausch von Daten, Wissen und Informationen für einen Anstieg der Produktivität sorgen, entsteht eine soziale Bruchlinie. Menschliche Aufgaben können zunehmend von intelligenten Robotern automatisiert übernommen werden. Wie zur Industrialisierung als große Maschinen hunderte Menschen ersetzten, schicken in der informationstechnologischen Revolution intelligente Maschinen die Menschen ohne nötige Bildung in die Arbeitslosigkeit.

Das Internet wird immer mehr zum Schlüsselmedium für die Wirtschaft, Bildung und sozialer Interaktion. Wie auch beim Fernsehen fordert es einen Medienkompetenz die richtigen Informationen heraus zu finden, zu wissen wo und wie gesucht werden muss.
Manuel Castells spricht von einem „Digital Devide“ als neue Form der Rassenungleichheit. Was in der industriellen Ära die Ausbeutung der Schwachen war, ist heute die Ausschließung der Menschen ohne nötige Bildung oder technischen Voraussetzungen. Menschen ohne den Zugang zum Netz bilden die „Vierte Welt“.

Drei Herausforderungen für das Informationszeitalter

Manuel Castells nennt für das Informationszeitalter drei Herausforderungen, mit dem der Digital Devide minimiert werden kann:

1. Globale und freie Kommunikation für alle
2. Vermeidung von Exklusion aus den Netzwerken
3. Verbreitung der Kompetenz der Informationsverarbeitung und der Produktion von Wissen

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Weitere Teile:

Voltaire des Informationszeitalters | Das Netzwerk als neue Organisationsform | Gesellschaftliche Veränderungen | Identität & Digital Devide | Biografie Manuel Castells

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1 Castells, Manuel: Das Informationszeitalter, Bd. 2: Die Macht der Identität. Leske und Budrich Verlag, Leverkusen, 2002

Kategorie : Quernetzt, Sonstiges

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