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Gesellschaftliche Veränderungen im Informationszeitalter

10. Februar, 2008 von Tino Krener

Gastbeitrag
Teil 3: Gesellschaftliche Veränderungen

Castells beschreibt eine „Kultur des Ephemeren„, die gekennzeichnet ist durch Schnelllebigkeit, Unsicherheit der informationellen Wertschöpfung und Mangel eines ethischen Unterbaus.

Arbeit und Beschäftigung: Zu den Charakteristiken des neuen Arbeitsmarktes zählen: Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Selbständigkeit, gemischte Berufsprofile, freie Mitarbeiter, informelle und halb-formelle Arbeitsarrangements und eine unbedingte berufliche Mobilitätsbereitschaft. Die flexible Arbeit wird zur vorherrschenden Erwerbsform.

Kultur: Für Castells ist der „Geist des Informationalismus“, wie er ihn in Anlehnung an Max Weber formuliert, die Kultur der „kreativen Zerstörung“, die auf die Geschwindigkeit der licht-elektronischen Schaltkreise beschleunigt wird, die ihre Signale verarbeiten. Mit dem TV und multimedialen Anwendungen bildet sich eine „Kultur der realen Virtualität“. Alle Wirklichkeiten werden durch Symbole repräsentiert, so dass jede Realität virtuell wahrgenommen wird.

Raum: Die technische und organisatorische Möglichkeit, die Gleichzeitigkeit sozialer Praxis ohne geografische Nähe zu gewährleisten lässt Orte in einen planetaren „Raum der Ströme“[1] auflösen. Als Ströme bezeichnet Castells Ströme von Kapital, Information, Technologie, organisatorischer Interaktion, Bilder, Töne, Symbole, … Innerhalb eines Netzwerkes gibt es keine Entfernungen. Das Angebot und die Nachfrage ist global. Gesellschaften vernetzen sich über Städte- und Ländergrenzen hinweg. (Entgrenzung) „Places do not disappear, but their logic and their meaning become absorbed in the network.“[2]

Zeit: Zeit ist nach Leibniz die Ordnung der Abfolge von Dingen. Die messbare, lineare Uhr-Zeit wird im „Raum der Ströme“ aufgelöst. Die Abfolge von Ereignissen wird mit dem Internet in Unordnung gebracht und gleichzeitig gemacht. Es entsteht eine Gesellschaft in immer währender Flüchtigkeit. Castells beschreibt dies als die „zeitlose Zeit“[3].

Der Staat: Mit dem Internet werden Grenzen aufgelöst. Menschen kommunizieren projekt- oder interessenbezogen über staatliche Grenzen hinweg. Der Nationalstaat verschwindet nicht, er transformiert sich zum Netzwerkstaat. Der Netzwerkstaat ist „[…] ein Staat, der aus einem komplexen Netz von Machtteilhabe und aus Prozessen verhandelnder Entscheidungsfindung zwischen internationalen, multinationalen, nationalen, regionalen, lokalen und nicht-staatlichen politischen Organisationsformen besteht.“[4]

Ökonomie: Die neue Ökonomie ist informationell, global und in Netzwerken organisiert. Die Fähigkeit zur Produktion von Wissen, zur Verarbeitung und zum Management von Informationen bestimmt die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit aller ökonomischen Einheiten. Die Produktion, Konsumtion und Zirkulation sind auf globaler Ebene organisiert. Die Produktivität wird durch ein globales Interaktionsnetzwerk zwischen Unternehmensnetzwerken erzeugt. „Informationeller Kapitalismus“ ist nicht an staatliche Grenzen und regionale Märkte gebunden. Die Akteure sind multinationale Unternehmen und Firmennetzwerke, die jenseits der politischen Einflussnahme ihre weltumspannenden Geschäfte tätigen.

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Weitere Teile:

Voltaire des Informationszeitalters | Das Netzwerk als neue Organisationsform | Gesellschaftliche Veränderungen | Identität & Digital Devide | Biografie Manuel Castells

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1, 2, 3 Castells, Manuel: The Information Age: Economy, Society, and Culture, Volume 1: The Rise of the Network Society. Second Edition Blackwell Publishers, Oxford, 2000

4 Castells, Manuel: The Internet Galaxy. Reflections on Internet, Business, and Society. Oxford University Press, 2001

Kategorie : Quernetzt, Sonstiges

Kommentare

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