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Die neue Organisationsform im Informationszeitalter

9. Februar, 2008 von Tino Krener

Gastbeitrag
Teil 2: Das Netzwerk als neue Organisationsform

Nach Castells ist die Informationsgesellschaft eine Gesellschaftsstruktur, in der die Quellen der ökonomischen Produktivität, der kulturellen Hegemonie und politisch-militärischen Macht abhängig sind von der Gewinnung, Speicherung, Verarbeitung und Erzeugung von Information und Wissen.

Ursachen für den Übergang der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft

  • Die informationstechnologische Revolution, bestehend aus der weltweiten Verbreitung des Computers, der Telekommunikation und des Internets.
  • Die Krise des industriellen Kapitalismus und die Auflösung des national staatlichen Etatismus, die zu dezentralen Formen der Wirtschaft und Politik geführt haben.
  • Forderung der Wirtschaft nach Globalisierung und flexiblen Management.
  • Das Aufblühen sozialer Bewegungen, die sich gegen die bestehende Vorherrschaft globaler Systeme zur Wehr setzen.
    Forderung der Gesellschaft nach individueller Freiheit, offener Kommunikation.
  • Kommunikation many-to-many wird durch neue Kommunikationstechniken möglich.
  • Durch den Vormarsch der elektronischen Technologien werden Wissen und Informationen zu „Produktivkräften“, woraus ein „informationeller Kapitalismus“ entsteht.

Beschleunigung findet dieser Übergang durch die Kommunikation von neuen Anwendungen und Veränderungen in Echtzeit. Ebenso wird die Rückkopplung durch den Konsumenten in Echtzeit kommuniziert. Im Internet ist jeder Konsument gleichzeitig Produzent.

Auf dem heutigen dynamischen, nicht mehr kontrollierbaren Weltmarkt nimmt das Tempo des technologischen Wandels zu. Massenproduktionen werden zu steif und kostspielig. Sind die maschinellen Produktionsstraßen einmal eingerichtet und ist das Produkt dann auf dem Markt, hat ein Mitbewerber womöglich eine bessere Technologie bereits implementiert. Der Wunsch nach Individualisierung in der Gesellschaft und ein schneller dynamischer Markt begründen flexible Produktionssysteme, spezialisierte kleinere Unternehmen, die sich bei der Realisierung eines Produktes miteinander vernetzen. Mit einem Netzwerk kann interaktiv auf die Veränderungen des Marktes reagiert werden. Bei der Vernetzung kleiner Unternehmen bis hin zu individuellen Personen entstehen neuartige Netzwerkunternehmen (Interfirm networking) ohne feste Struktur, die projektbezogen auf Zeit arbeiten.

Das Netzwerk als neue Organisationsform

„[…] the only organization capable of nonprejudiced growth, or unguided learning is a network. All other topologies limit what can happen. […] Indeed, the network is the least structured organization that can be said to have any structure at all […]“[1]

Ein Netzwerk ist flexibel und besitzt eine schnelle Anpassungsfähigkeit. Es besteht aus Knoten und flexiblen Verbindungen. Fällt ein Knotenpunkt aus, kann er problemlos mit einem anderen ersetzt werden. Sie haben keinen Mittelpunkt und sind dezentral organisiert. Netzwerke sind in alle Richtungen erweiterbar, sie breiten sich aus und „[…] erweisen sich vertikal organisierten Konzernen und zentralisierten Bürokratien im Konkurrenzkampf und in der Leistungsfähigkeit als überlegen. Trotz ihrer Vorteile im Hinblick auf Flexibilität hatten Netzwerke traditionell jedoch im Gegensatz zu zentralisierten Hierarchien ein ernstliches Problem: Sie hatten beträchtliche Schwierigkeiten dabei, Funktionen zu zentralisieren, Ressourcen auf spezifische Ziele zu konzentrieren und eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, wenn das Netzwerk einmal eine gewisse Größe und Komplexität überschritten hatte. Anders als in der biologischen Evolution standen Netzwerke während des größten Teils der menschlichen Geschichte in ihrer Leistungsfähigkeit als Werkzeuge hinter zentral definierten Organisationen zurück, da diese in der Lage waren, Ressourcen für zentral definierte Zielsetzungen zu mobilisieren, wobei Aufgaben in rationalisierten, vertikalen Ketten von Befehl und Überwachung durchgeführt wurden.“[2] Mit der Einführung von computergestützten Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere dem Internet kann die Koordination von Aufgaben und Handhabung der Erfüllung von komplexen Aufgaben ermöglicht werden. Nach Castells wird mit dezentraler Arbeit und globaler, horizontaler Kommunikation eine „[…] überlegene Organisationsform für menschliches Handeln […]“[3] bereit gestellt.

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Weitere Teile:

Voltaire des Informationszeitalters | Das Netzwerk als neue Organisationsform | Gesellschaftliche Veränderungen | Identität & Digital Devide | Biografie Manuel Castells

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1 Kevin Kelly, Seite 61 in Castells, Manuel: The Information Age: Economy, Society, and Culture, Volume 1: The Rise of the Network Society. Blackwell Publishers, Oxford, 1996

2 Seite 9 in Castells, Manuel: Die Internet-Galaxie: Internet, Wirtschaft und Gesellschaft. Vs Verlag, 2005

3 Seite 10 in Castells, Manuel: Die Internet-Galaxie: Internet, Wirtschaft und Gesellschaft. Vs Verlag, 2005

Kategorie : Quernetzt, Sonstiges

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