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Unterstützung aus Hollywood: Al Gore’s „Eine unbequeme Wahrheit“

30. April, 2007 von Stefan Streicher

„Uns bleiben nur noch 10 Jahre, um eine große Katastrophe abzuwenden.“ Dies behauptet zumindest Al Gore. Der ehemalige US Vizepräsident tourt seit vielen Jahren mit einer Vortragsreihe zum Klimawandel durch die Welt. Dieser Vortrag wurde verfilmt. Der Film wurde zum Erfolg, erhielt sogar zwei Oscars. „Eine unbequeme Wahrheit“ erklärt mit den emotionalen Mitteln Hollywoods, wie schlecht es um unseren Planeten bestellt ist, wer die Schuldigen sind, welche Folgen drohen und was wir gegen den Klimawandel tun können. Wissenschaftlich komplexe Zusammenhänge werden simpel erklärt.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=a2Bxi5YhREI[/youtube]

Al Gore hat alle Daten seiner „unbequemen Wahrheit“ selbst recherchiert. Er ist um die Welt gereist, hat zahlreiche Wissenschaftler getroffen und deren Forschungsergebnisse zusammengefasst. Neben dem Film existiert das gleichnamige Buch mit allen Fakten zum nachschlagen. Noch bevor der aktuelle UN-Klimabericht erschien, konnte Gore durch seinen unermüdlichen Kampf auf die Klimaproblematik aufmerksam machen. Wir wollen hier keine Film- oder Buchrezension durchführen, sondern die Fakten der Gore- Botschaft präsentieren, welche im Laufe der Woche zu einigen Kontroversen führen wird:

Treibhauseffekt und die Folgen des CO2 Anstiegs

Al Gore ist Befürworter der gestern erläuterten Theorie des Treibhauseffektes. Dem entsprechend erklärt der Amerikaner diesen Vorgang zu Beginn seines Werkes. Der Mensch soll demzufolge zu viele unnatürliche Treibhausgase in die Atmosphäre blasen und somit die Klimaerwärmung auslösen. Als Beweis für die negative Klimaentwicklung beruft sich Al Gore auf wissenschaftliche Ergebnisse: Wissenschaftler haben laut Gore auf allen Kontinenten Bohrkerne aus dem Eis gewonnen, welche im Laufe von Jahrtausenden entstanden sind. Damit wurde die CO2 Konzentration und Temperatur der Atmosphäre über eine große Zeitspanne zurück verfolgt – vergleichbar mit dem System der Jahresringe bei Bäumen. In der Antarktis soll der Rückblick über 650.000 Jahre möglich sein. Al Gore beweist anhand eines Diagrams, dass es im Laufe der Zeit regelmäßig Warm- und Kaltzeiten gab. Dies steht laut dem ehemaligen Präsidentschaftskandidat in direktem Zusammenhang mit CO2. Denn immer wenn der CO2 Gehalt hoch war, erklärt Gore, gab es hohe Temperaturen und eine Warmzeit und umgedreht. Jedoch sei in all diesen 650.000 Jahren die CO2 Konzentration nie höher als auf 300 ppm (parts per million, zu deutsch Teile pro Million) gestiegen. Seit Beginn der Industrialisierung soll dieser Wert erstmals gebrochen worden sein und heute bei ca. 400 ppm liegen. In den nächsten 45 Jahren soll er sogar auf 600 ppm ansteigen. Al Gore behauptet, dass der deutliche Anstieg von CO2 zu einem enormen Temperaturanstieg führt. Auf erschreckende Weise erklärt Gore die Folgen des Klimawandels:

Temperaturerhöhung

Die globale Temperatur sei seit 1860 stetig gestiegen. 21 der heißesten Jahre in dieser Zeit befanden sich laut „Eine unbequeme Wahrheit“ in den letzten 25 Jahren. Immer heftigere Hitzewellen sollen uns drohen. Wie z.B. 2003, als allein in Europa 35.000 Menschen an den Folgen einer Hitzewelle starben.

Wassermangel

40% der Weltbevölkerung schöpfen laut Gore mehr als die Hälfte ihres Trinkwassers aus den asiatischen Flusssystemen, welche im Himalaja entspringen. Die Gletscher dieses Gebirges drohen dramatisch abzuschmelzen, was bereits in spätestens 40 Jahren zu einer Trinkwasserkatastrophe führen soll.

Stürme sollen zunehmen

In direktem Zusammenhang mit der Erwärmung der Meere steht laut Al Gore die Entstehung von Stürmen. Je wärmer das Wasser, desto stärkere Stürme sollen sich über dem Wasser entwickeln. Noch nie soll es es so viele Tornados oder Hurrikans in den USA, so viele und so heftige Taifune in Japan oder Zyklone in Australien gegeben haben (Hurrikans, Taifune und Zyklone sind verschiedene Bezeichnungen für das gleiche Wetter-Phänomen in unterschiedlichen Ozeanen). 2004 mussten die Lehrbücher umgeschrieben werden. Bis dahin hieß es, im Südatlantik gebe es keine Hurrikans. 2004 wütete zum ersten mal einer über Brasilien. Die Dauer und Intensität der Stürme soll um insgesamt 50% zugenommen haben, da die höhere Wassertemperatur für höhere Windgeschwindigkeiten und einen höheren Transport von Feuchtigkeit verantwortlich sei.

Überschwemmungen und Dürre drohen

Durch den erhöhten Wassergehalt in der Luft kommt es, laut Gore, auf allen Kontinenten zu verstärkten Überschwemmungen, wie z.B. 2005 in Europa. China führe die ältesten Aufzeichnungen zu Überschwemmungen und auch hier wurden neue Rekorde verzeichnet. So absurd es klingt. Überschwemmungen gehen laut „Eine Unbequeme Wahrheit“ einher mit stärkeren Dürren. Als Grund dafür wird die veränderte Verteilung der Niederschläge als Folge der Erderwärmung genannt. Im Großteil der Erde sollen die Niederschläge um 20% zunehmen. In Afrika hingegen stark abnehmen. Dadurch soll sich die akute Wasserarmut noch weiter verstärken.

Permafrostboden taut

Höhere Temperaturen sorgen laut Al Gore für das auftauen des Permafrostbodens in der Tundra. 1970 sei der Boden noch 200 Tage, heute unter 80 Tage fest gefroren. Dadurch würden fest im Eis verwurzelte Bäume umfallen und auf den Permafrost gebaute Häuser einstürzen. Wenn der Boden weiter auftaut, könnten ca. 70 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden. Das sei zehn mal so viel, wie der Mensch pro Jahr produziert. Diese Freisetzung würde einen ökologischen Erdrutsch auslösen.

Arktis schmilzt

Die arktische Eiskappe soll entscheidend für den Temperaturhaushalt der Erde sein. Die Kappe diene als eine Art riesiger Spiegel, welcher die Sonne reflektiert. Durch die Klimaerwärmung schmilzt laut dem Ex-US Vizepräsident das Eis. Es wird also immer weniger Strahlung reflektiert, statt dessen absorbiert die immer größer werdende Wasserfläche die Sonnenstrahlung und das Meer wird noch mehr aufgeheizt. Dies führe wiederum zu einer Beschleunigung des Schmelzvorganges der Arktis und zur Erwärmung der Atmosphäre. Eisbären sollen laut Gore immer häufiger ertrinken, da ihnen sprichwörtlich das Eis unter den Pfoten wegschmilzt und sie die nächste rettende Eisscholle oft nicht mehr erreichen.

Anstieg des Meeresspiegels

Ein Ansteigen des Meerwasserspiegels soll es durch das Abschmelzen der Arktis nicht geben. Sie sei nur sehr dünn und schwimme auf dem Nordpolarmeer, die Arktis sei also nur gefrorenes Meerwasser. Auf Grönland oder in der Antarktis soll sich Inlandeis befinden, also Eis, welches auf dem Festland ruht. Beim Abschmelzen dieser Eismassen würde also der Meeresspiegel steigen. Dies passiere bereits. Zahlreiche niedrig gelegene pazifische Inselstaaten seien wegen dauerhafter Überflutung von der einheimischen Bevölkerung aufgegeben worden. Allein durch das Abschmelzen, der im Vergleich zur Antarktis kleinen Eisfläche von Grönland, soll der Meeresspiegel laut Al Gore um 6 Meter steigen. Das Abschmelzen soll in Grönland mittlerweile dramatische Dimensionen angenommen haben. In der Antarktis sei ein ähnliches Bild zu verzeichnen. In sehr naher Zukunft könnten laut „Eine unbequeme Wahrheit“ Gebiete wie die Niederlande, Florida, New York, Peking, Schanghai, sowie Teile Chinas, Indiens und viele weitere Regionen auf der Welt teilweise oder sogar ganz überschwemmt sein. Hunderte Millionen Menschen wären obdachlos und auf der Flucht.

Weitere Punkte aus „Eine unbequeme Wahrheit“ in der Übersicht:

  • Wind- und Meeresströmungen sollen von den Eismassen abhängig sein und könnten sich ändern. So droht laut Al Gore z.B. beim Abschmelzen des Grönlandeises der Golfstrom zum erliegen zu kommen. Dies könnte innerhalb von wenigen Jahrzehnten eine Eiszeit über Europa verursachen.
  • durch Jahreszeitenverschiebungen soll das ökologische System aus dem Gleichgewicht geraten, viele Tiere bekommen demzufolge Probleme gewohnte Nahrung zu finden und zahlreiche Tierarten würden aussterben
  • die Klimaerwärmung sei für mehr Tierplagen verantwortlich, denn durch den oftmals fehlenden Frost würden Schädlinge wie Borkenkäfer oder Zecken im Winter nicht getötet und noch zahlreicher
  • die Meere nehmen laut Gore ca. 1/3 der CO2 Emission auf, unser zu viel produziertes CO2 verändere den ph-Wert des Wassers, mache es saurer und sorge in der Kombination mit der Erwärmung der Meere für das Absterben der Korallen und für immer stärkere Algenbildung in den Meeren (z.B. 2005 zahlreiche Ostsee-Strände wegen Algenplage gesperrt)

Al Gore sieht zwei Ursachen für die aktuelle Entwicklung:

1. Bevölkerungsexplosion

Bis zur Gründung der USA 1776 sei die menschliche Spezies ganz langsam auf eine Milliarde angewachsen. Ende des zweiten Weltkrieges habe sich die Zahl bereits verdoppelt. Von da an explodierten die Werte. Heute betrage die Weltbevölkerung ca. 6,5 Milliarden Menschen. 2050 sollen es ca. 9 Milliarden sein. Es dauerte 10.000 Generationen bis die Weltbevölkerung zwei Milliarden erreichte und dann explodierte sie in nur einem Leben von 2 auf 6,5 Milliarden. Dies stehe im direkten Zusammenhang mit einer Explosion des Bedarfs an natürlichen Rohstoffen, wie nie zuvor.

2. wissenschaftliche und technische Revolution

Wir können laut Al Gore heute fast alles. Statt mit Schwertern zu kämpfen und einen Mensch zu töten, haben wir Atombomben und können die ganze Welt in kürzester Zeit zerstören. Statt mit einer Schaufel zu graben, haben wir gigantische Bagger, welche in der Lage sind ganze Flüsse oder Berge zu versetzen. Die Menschheit sei zu einer Naturgewalt geworden. Sie greife so stark wie nie zuvor in die Erde ein und sei sich dabei oft der Verantwortung nicht bewusst. Der Ressourcenbedarf und -verbrauch sei dabei gigantisch, doch die Vorräte nur begrenzt.

Laut Al Gore ist es noch nicht zu spät. Wir können demnach zahlreiche der oben beschriebenen Folgen des Klimawandels abschwächen. Jeder soll mit vielen Kleinigkeiten den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. Vor allem seien jedoch Politik und Wirtschaft gefragt, große Anstrengungen zum Klimaschutz zu unternehmen.

Weitere Infos unter www.eine-unbequeme-wahrheit.de

Al Gore stellt zum Abschluss einige Maßnahmen zum Klimaschutz vor:

  • Energiesparlampen verwenden
  • bei Neuanschaffungen energieeffiziente Haushaltsgeräte kaufen
  • Energieeffizient heizen und kühlen
  • Haus isolieren
  • Heißwasserverbrauch reduzieren
  • auf Standby- Funktion verzichten
  • zu Ökoenergie wechseln
  • weniger Auto fahren, mehr öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften nutzen
  • Sprit sparende Autos kaufen oder alternative Treibstoffe nutzen
  • weniger fliegen
  • Precycling – Abfall bereits vor dem Kauf vermeiden
  • Recycling
  • Papier sparen
  • Einkaufstaschen, statt Einwegtüten verwenden
  • weniger Fleisch essen
  • lokale Produkte kaufen
  • über Klimawandel informieren und mit anderen darüber reden

Wieviel Geld man mit klimabewussteren Leben sparen kann, hatte ich hier schon ein mal beschrieben.

Zum Ausklang für heute das Musikvideo zum Film:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=_XYVOMGI9FQ[/youtube]

Kategorie : SQnstiges

Kommentare

1

Puuh, sehr lang und etwas sperrig zu lesen. Es ist ja nur eine Zusammenfassung, aber leider kommt uach hier das Erschreckenste genauso zu kurz wie in Al Gores Film. Die unaufhaltsame Vermehrung der Menschen in den letzten Hundert Jahren.
Wie sollen alle Mäuler gestopft werden, ohne das der Raubbau an der Erde weitergeht oder sich sogar noch verschlimmert?
Auch wenn die Problem der Erderwärmung umstritten sind. Das offentsichtliche Problem ist doch, wie gnadenlos Ressourcen weggeschmissen werden.
Bsp: Russland. Russland exportiert Gas in fast mittleren und östlichen EU Länder. Immer wieder wird gesagt, dass Gas sei knapp. In Wirklichkeit wird es aber künstlich knapp gehalten, weil fast die Hälfte des Erdgas einfach abgefackelt wird, wenn es an die Oberfläche kommt. Wirtschaft und Politik sollten sich darum kümmern, das die Ressource sinnvoll eingesetzt werden, dadurch würde automatisch das Klima entlastet.
Aber stattdessen, werden erst einmal Klimasteuern für Bundesbürger eingeführt.

2

Der Film beruht Größtenteils nicht auf anerkannten wissenschaftlichen Tatsachen und viele der im Film präsentierten Fakten wurden bereits früh widerlegt. So entschied 2007, also schon ein Jahr nach Veröffentlichung des Films, ein englisches Gericht, dass der Film in englischen Schulen nicht mehr ohne Kommentierung gezeigt werden darf, da insgesamt 9 Falschaussagen festgestellt wurden⁸.
So spricht Al Gore z.B. von einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels um 6 Meter in „naher Zukunft“, dies wäre jedoch allenfalls innerhalb von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden möglich, urteilte das Gericht. Auch das Erliegen des Golfstrom musste aufgrund von Fakten sogar vom Weltklimarat IPCC als „sehr unwahrscheinlich“ deklariert werden auch zu der Aussage, nach der Eisbären bei der verzweifelten Suche nach Packeis ertrunken seien, findet sich nur eine einzige wissenschaftliche Studie wieder, in der von vier in einem Sturm ertrunkenen Eisbären berichtet wird. Zwar ist es wahr, das die Eisbären vom Aussterben bedroht sind, dies aber wegen der Überfischung der Meere und der massenhaften Jagt auf Robben. Eine Klimaerwärmung, das haben die Eisbären schon in der letzten Warmphase der Erde gezeigt, stellt für die Eisbären keine Bedrohung dar.

3

Gut gemeinter Film, liefert einige Denkanstöße und legt an
einigen Stellen den Daumen in die Wunde. Insofern, sollte
man sich wenn möglich mal ansehen.

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