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Unbequemer geht’s nicht

30. Januar, 2007 von Alexander Schulz

Eine unbequeme WahrheitWenn die Grünen zu einer kostenlosen Kinoaufführung mit anschließender Diskussion einladen, lässt dies das Schlimmste befürchten. Selbst, wenn der Film vom ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Al Gore ist und grade weil er „Eine unbequeme Wahrheit“ heißt. Denn an Wahrheiten ist man im Kino eigentlich nur bedingt interessiert, besonders wenn sie auch noch unbequem sind.

Und einige Befürchtungen, die sich durch das Herkunftsland des Films und das Genre ergeben, bestätigen sich dann auch. Ja, eine unbequeme Wahrheit ist aus Amerika und ist eine „Dokumentation“ und ja, wie schon beim prominentesten Vertreter dieser Gattung, „Bowling for Columbine“ wird hier die Masse angesprochen und dabei manches unlautere Mittel genutzt. Gestellte Szenen, auf die Tränendrüsen drückende Musik und pathetische Reden werden genauso wie die Kamera dazu benutzt, den Zuschauer zu manipulieren, wenn auch auf weit angenehmere und unaufdringlichere Weise als bei Michael Moores Werk.

Doch in diesem Fall sollte, nein muss der Zweck die Mittel heiligen und wenn man einen Großteil der (amerikanischen) Bevölkerung auf diese Art erreicht, ist das legitim. Denn die Aussage des Films ist erschreckend und eindeutig: Mit der Erde, so wie wir sie kennen, geht es zu Ende und das ist keine Theorie wie noch vor wenigen Jahren, sondern eine inzwischen erwiesene und von den Wissenschaftlern anerkannte Tatsache. Das von den Menschen produzierte Kohlendioxid führt zur Veränderung der Erdatmosphäre, dadurch zur Erderwärmung und damit zum Schmelzen der Polkappen, zum Versiegen des Golfstroms und zur Überflutung der Kontinente. Und das nicht erst in naher Zukunft, sondern schon seit einigen Jahren. Spätestens 2050, also in nur 43 Jahren, wird die Erde nicht mehr wieder zu erkennen sein und das Chaos das Klima beherrschen. Die ersten Vorboten, wie die gestiegene Hurrikananzahl und extreme Dürre-, Hitze- und Regenperioden sind schon seit einigen Jahren zu bemerken.

Eine Verlangsamung des Prozesses ist nur zu erreichen, indem auf der ganzen Welt konsequent auf alternative Energie umgeschaltet wird und der Energieverbrauch pro Person drastisch sinkt. Das muss Ziel der Politik jedes Landes sein, wird es das nicht, ist bald Schicht im Schacht.

Diese Tatsachen unterbreitet einem Al Gore unterhaltsam (auch wenn man das Wort in diesem Zusammenhang fast nicht gebrauchen will) und eindringlich und belegt sie vor allen Dingen durch zahlreiche Beweise und Studien. Der Mann kann einfach reden und sein offensichtliches uneigennütziges Engagement in dieser Sache machen ihn noch glaubwürdiger. Insofern ist „Eine unbequeme Wahrheit“ ein sehr empfehlenswerter, wenn auch erschreckender Film.

Die Diskussion mit zwei Parteimitgliedern der Grünen im Anschluss war das auch, aber in einem anderen Sinne. Die beiden hatten nicht im Sinn, jemanden für ihre Partei zu gewinnen oder ihr Wahlprogramm zu verbreiten, sondern wollten einfach nur über das gesehene und Lösungsvorschläge diskutieren. Trotzdem hatte man das Gefühl, jeden Fehler, den ihre Partei mal gemacht hat, wurde ihnen angelastet. So kämpften sie eine schon von Beginn an verlorene Schlacht, konnten aber zusammen mit dem Film zumindest die wichtigste Aussage rüberbringen: Es muss etwas getan werden, und zwar sofort. Ob die Grünen dafür die Richtigen sind, ist eine andere Frage. Auf alle Fälle ist eine groß angelegte Aufklärung der Bevölkerung und vor allen Dingen der Politiker von Nöten. Denn letztendlich können nur Gesetzgebungen was bewirken, von alleine werden sicherlich nicht 6,7 Milliarden Menschen plötzlich umweltbewusster leben.

Wer sich noch weiter mit der Thematik beschäftigen will, sollte sich ab dem 28.März die DVD des Films besorgen, auf die zugehörige Website http://www.climatecrisis.net gehen oder eine der tausenden anderen Seiten im Netz dazu besuchen.

Die DVD bei Amazon bestellen

Trailer zum Film:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=a2Bxi5YhREI[/youtube]

Kategorie : Sonstiges, SQnstiges

Kommentare

1

Es gibt auch eine deutsche Seite zum Thema:

http://www.eine-unbequeme-wahrheit.de

Neben der DVD ist auch das Buch sehr empfehlenswert. Der Film kann zwar Gefühle wecken, doch rasen tausend Informationen an einem vorbei. Im Buch sind alle Fakten der Doku nochmal bunt illustriert – zum wirklichen Verstehen was da wirklich vor sich geht, ist das Buch sehr empfehlenswert.

Jetzt heisst es für alle nicht nur Film schauen oder Buch lesen, sondern handeln. Was werdet ihr, was wirst du denn tun?

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Ich habe den Film zwar nicht gesehen…erlaube mir aber trotzdem mal ein Kommentar zu dem Thema – die Klimaerwärmung ist sicherlich ein Fakt und die Dichte von Wetterextremen auffällig.

Die Frage ist nur, wie viel davon ist Menschengemacht? Wie genau sind die ermittelten Daten? Ein paar Fakten zum überlegen: Jahrelang wurde der steigende Kohlenmonoxydanstieg für die Erwärmung verantwortlich gemacht für die Erwärmung der Erde – mit Daten zum Beispiel von Hawaii, wo sich einer der aktivsten Vulkane er Erde befindet und fleißig Kohlenmonoxyd emittiert. Wie kann es sein, dass sich die Durchschnittstemperatur der Sarah proportional zum Rest der Temperaturen erhöht, obwohl sich in den letzten Jahren über der Sahara eine 5km dicke Staubschicht gebildet hat, die nur noch 80% der Sonnewärme durchlässt? Plankton produziert CO2 in riesigen Mengen, kein Mensch kann sagen, wie viel das genau ist – könnte es vielleicht sein, dass die Gase aus den Kraftwerken im Vergleich dazu verschwindend gering sind? Über die letzten 100000 Jahre liegen nur Daten über grobe Temperaturentwicklungen vor – wer kann genau beweisen, dass es solche „Ausbrüche“ nicht schon früher gab? Im Mittelalter gab es ebenfalls einen rasanten Temperaturanstieg der Durchschnittstemperatur – ohne Menschliche Emissionen, woran lag das?  es gibt noch mehr ungeklärte Fakten dazu, aber ich will hier nicht mehr anbringen, weil es unter Umständen Halbwissen ist. Ich will nur sagen, dass es wohl eine Menge Dinge gibt, die noch völlig unerforscht sind, was die Ursachen betrifft.

3

@ Fabian sage ich nur: Lies mal das Buch und schau den Film und du wirst Antworten zum Verlauf des Klimas im Laufe der Jahre finden und danach hast du die Garantie das wir Menschen Schuld haben und niemand anders an dieser dramatischen Entwikclung.

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Über den Treibhauseffekt hab ich das erste mal vor 15 Jahren in der Grundschule gehört.
Alles nur Spinnerei?
Mit Sicherheit nicht!
Natürlich ist es so, das es schon Hitzephasen gab, in denen das Klima viel heißer war als der Durchschnitt. Genauso wie es auch immer wieder Eiszeiten gab. Anfang des 20. Jhd. ging die letzte kleine Eiszeit zu Ende. Und irgendwann wird das Wetter auch wieder wärmer.
Nur hat dieser Effekt etwas mit den Eigenschaften der Erde und ihrer Achsenstellung zu tun hat. Es dauerte bisher Jahrhunderte bis sich Eiszeit und Wärme- perioden abgewechselt haben.
Was wir gerade erleben ist hausgemacht. Schon immer gibt Plankton Gase in die Atmosphäre ab oder pupsen Kühe Metan in die Luft. Das sind natürliche Prozesse mit denen die Athmosphäre umgehen kann.
Aber im Mittelalter gab es noch keine 54,4 Millionen Autos in Deutschland. Sondern Deutschland war zu 80% bedeckt von Wald. Wenn man etwas so radikal verändert, ändern sich auch die Reaktionen.
Was der Film und Al Gore letztendlich schon einmal geschafft haben (oder waren es vielleicht doch Katrina, Franz, eine große Dürre in Australien und Kyrill?) ist, dass es seit letztem Herbst einen enormen Zuwachs an Berichten über die Veränderung der Natur gibt. Letzte Woche gab es nicht eine Ausgabe der Tagesschau, der heute-Nachrichten und von RTLaktuell ohne einen Beitrag zum Thema. Vielleicht gibt es ja doch kein Märchen vom Klimawandel.

In einigen Teilen der Schweiz und Österreich kämpft man heute mit zunehmder Wasserknappheit weil es nicht mehr genug Gletscher gibt, die noch Wasser spenden können. Was die Bauern zum Heulen bringt, wird Feinschmecker aber nicht weiter interessieren. Durch das zunehmend mediterane Klima gelten die dortigen Weine als immer beliebter und können bald locker mit süditalienischen Tropfen mithalten.
Nobel geht die Welt zugrunde…

5

Ich hab vor dem Film auch stark an den Argumenten der „Ökos“ gezweifelt. Klar, die Erderwärmung ist Fakt. Aber ich meine, es gab auch mal ne Eiszeit, Kälte- und Wärmeperioden wechseln sich halt ab, was solls? Der Mensch ist zum Glück anpassungsfähig und hat bisher alles überlebt.

Ich kann nur sagen, schaut euch den Film an – der entschärft die Gegenargumente. Und auch noch äußerst glaubwürdig, wie ich finde.

Was ich außerdem gut fand, ist, dass er nicht in dem typischen Ami-Dokumentations-Stil aufgemacht ist – also zusammengestückelte Interviews von den verschiedensten sogenannten Experten – sondern dass eigentlich die ganze Zeit Al Gore über das Thema spricht.

Alles in allem – Top Film, sollte sich jeder ansehen.

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Frisch aus dem US-Kongress:

US-Demokraten planen Kehrtwende bei Klimapolitik

Gestützt auf ihre neue Mehrheit im US-Kongress hat die Demokratische Partei mit einer Neuausrichtung der Klima- und Umweltpolitik begonnen. „Wir müssen jetzt handeln und das Problem der Erderwärmung angehen“, sagte die neue Vorsitzende des Umweltausschusses im US-Senat, Barbara Boxer, bei einer Sitzung in Washington.

Als ersten Schritt kündigte die Senatorin neue Richtlinien für die Energie-Effizienz öffentlicher Gebäude in den USA an. Mit einem zweiten Gesetzesprojekt solle der Gebrauch von umweltfreundlichen Bio-Sprit gefördert werden. Als Vorbild nannte Boxer die Regelungen zum Klimaschutz in Kalifornien, wo im vergangenen Jahr Gesetze zur Reduzierung von Treibhausgasen in Kraft traten.
Berichte über den Klimawandel unterdrückt?

Dem Kongress wurde zudem ein Bericht von US-Forschern des „Verbandes besorgter Wissenschaftler“ vorgelegt. Darin beklagen sie, die Regierung in Washington habe missliebige Umweltberichte unterdrückt. Zahlreiche Klimaforscher seien systematisch unter Druck gesetzt worden.

Für den Bericht wurden 300 Wissenschaftler, die für verschiedene Behörden der Regierung arbeiteten, befragt. Fast die Hälfte von ihnen berichtete von Manipulationsversuchen in den vergangenen fünf Jahren.

Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6359840_,00.html

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Folgende Mail kursiert übrigens grade im Netz:

Am 1. Februar 2007 von 19.55 Uhr bis 20.00 Uhr nimmst Du an der weltweit größten Bewegung gegen den Klimawechsel teil! Alles Ausschalten – am 1.Februar 07 von 19.55 Uhr bis 20.00 Uhr Verschiedenste Naturschutz-Organisationen senden derzeit eine Aufforderung an alle Bewohner unseres Planten, die 5 „Schweigeminuten“: jeder soll den Strom und sonstiges ausschalten, zwischen 19h55 und 20h00. Fünf Minuten, nicht nur um Energie zu sparen, sondern vor allem , um die Bevölkerung, die Medien und Politiker auf die tägliche Energieverschwendung aufmerksam zu machen. Ein Akt, der nur 5 Minuten dauert, der nichts kostet, der aber der Regierung zeigt, dass die Klimakatastrophe ein schwerwiegendes Thema der Weltpolitik sein sollte.
Warum dieses Datum?
Am ersten Februar 2007 veröffentlicht die UNO die neuesten Erkenntnisse zum Thema Klimawechsel!

ALSO, DREHT DIE ENERGIE AB! – UND DIESE EMAIL BITTE WEITERLEITEN

Ich danke Euch.

dass das keine typische Kettenmail ist, zeigt diese Bestätigung unter http://www.bund.net (artikel geht leider nicht direkt zu verlinken)

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folgendes:

der Film ist fantastisch, meiner bescheidenen Meinung nach.

Dennoch habe ich meine eigenen Gedanken dazu:

In aller erster Linie beginnt und endet der Film mit dem Planeten Erde.

Ich denke, dass es diesem neunten Planeten unseres Sonnensystems, welcher 4,5 bis 4,6 Milliarden(!) Jahre existiert, absolut an der „Schattenseite“ vorbei geht, ob die Spezies „Homo Homosapiens Sapientis“, welche verglichen mit einem Tag Erdgeschichte, gerade mal vor 0,2 Sekunden (0,01 Mio Jahre) mit Ackerbau und Viehzucht begonnen hat, weiter existieren wird, oder nicht. (Schachtelsatz!)
Dann gibt es halt eine Flut / Eiszeit / tektonische Verschiebung mit Vulkanausbruch mitten in Mittweida. Die Natur und die Evolution interessiert dies nicht im geringsten, es ist ihr völlig boogie!

Weiter werden die Staaten dieses Planeten gennant. Kyoto ist das Schlagwort und völlig zu Recht werden die USA direkt kritisiert. Kyoto ist ein sehr schwacher Beginn, um gerade mal die Erforschung der Weltmeere und ihre Auswirkungen auf das globale Klima zu ermöglichen, nicht zu finanzieren.

Nun kommt der einzelne Mensch in das Spiel und hier wird es wirklich interessant:
Natürlich sollte jeder Einzelne bei sich anfangen, über Energie-/Ressourcenverschwendung nach zu denken:

Wenn ich in ein Auto steigen muss(!), um schnellstmöglich, kostengünstig und flexibel von A nach B zu gelangen und der Durchschnittsverbrauch der Fahrzeugflotte der Bündnis90/Grünen weit über dem Meinigen liegt, läuft irgend etwas sehr verkehrt. Wer es wirklich genau wissen will, dem recherchier ich es gern, denn ich weiß, dass die Flotte dieser Partei über die Mittel-Klasse-Wagen-Klasse hinaus reicht.

Nun ja, ich behaupte an dieser Stelle, wenn 10 Mio. Menschen in Europa, Asien, Afrika oder Amerika ihre CO2 Emission auf Null reduzieren würden (diese müssten u.A. aufhören zu Atmen) würde das der globalen Erwärmung keines falls in irgend einer Weise beeinträchtigen.

Ich hoffe nur, dass wenn ihr oder ich mich in einer Position befinden werde, um über wirklich klimapolitisch interessante Projekte, Produktionen und Probleme zu entscheiden, euch an diesen Film zu erinnern. Es ist ein Dokument von jetzt und heute.

erik

9

[…] Ich will mich gar nicht lange mit irgendeinen Geplänkel aufhalten, denquer hat in mehreren Artikeln über den Film “Eine unbequeme Wahrheit” berichtet und auch praktische Tipps gegeben, was wir selbst gegen die hereinbrechende Klimakatastrophe tun können. Werdet einfach selber aktiv und diskutiert dort auch mit. […]

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In Bezug auf dieses Zitat:

„Auf alle Fälle ist eine groß angelegte Aufklärung der Bevölkerung und vor allen Dingen der Politiker von Nöten. Denn letztendlich können nur Gesetzgebungen was bewirken, von alleine werden sicherlich nicht 6,7 Milliarden Menschen plötzlich umweltbewusster leben.“

muss ich widersprechen. Umdenken geht doch nicht von Politikern aus! Die tun nur alles, um nochmals wiedergewählt zu werden. D.h., ist die Bevölkerung motiviert, wird eine Veränderung in Gang gesetzt. Nicht andersherum.

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…so die Theorie der Demokratie. Wieviele Gesetzesänderungen der letzten Jahre lassen sich denn wirklich auf Bevölkerungsmotivation bzw. Bevölkerungswille zurückführen? Ich denke eher wir haben es hier mit einer großen Lethargie zu tun und schon fast dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber den Politikern. Im Moment lassen wir uns doch alles vorschreiben (und teilweise auftischen).

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Allerdings lasst ihr alle dabei, denn Faktor Wirtschaft außen vor.
Die Politik der letzten Jahre war oft eine Reaktion auf die wirtschaftlichen Entwicklungen. Teilweise mit grotesken Auswirkungen (Hartz, als Firmen-Manager liefert Vorgaben für Arbeitslosengesetze).
Generell sollte Politik aber nicht nur von der öffentlichen Meinung gelenkt werden, denn diese ist manipulierbar. Ein Phänomen, mit dem es die BILD Zeitung schon geschafft hat, das überflüssige Gesetze gemacht werden („Florida-Rolf“- Auslandssozialhilfe betrifft weniger als 1500 Menschen).
Mit Politiklethargie hab ich mich auch schon mal beschäftigt und versucht was zu machen. Das witzige dabei war, das ich festgestellt hab: Das Politiker tatsächlich darauf reagieren, was man zu sagen hat. Selbst Bundesminister antworten auf E-Mails, wenn man ihnen Sorgen, Probleme und Ängste in schildert.
…vielleicht ja wirklich (wie Michaele gesagt hat), weil irgendwann Wahltag ist!

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