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Readers Edition zieht andere Seiten auf

5. Februar, 2007 von Conny Espenhahn

Screenshot Readers EditionUrsprünglich war die Online-Plattform Readers Edition als Projekt des „Citizen Journalism“ konzipiert. Eine journalistische Anlaufstelle, bei der Jeder für Jeden schreibt und aktuelle Geschehnisse auch eine persönliche Betrachtungsweise erfahren können. Nach dem Rauswurf beinahe aller ehrenamtlichen Träger des Projekts besteht nun die Frage nach der tatsächlichen Bürgernähe.

Der 29. Januar war ein einschneidender Tag in der noch so jungen Geschichte der Readers Edition. Eine Großzahl der sogenannten Moderatoren, die ehrenanmtlich für die redaktionellen Abläufe der Plattform verantwortlich waren, wurden „von ihren Pflichten entbunden„. Viele sehen darin die Konsquenz der angekündigten Professionalisierung der Readers Edition. Michael Maier, ehemaliger Chefredakteur der Netzzeitung, hatte sie im Zuge seines Ausstiegs im Dezember 2006 von der Netzzeitung erworben und angekündigt, sich diesem neuen Genre des Social Media zu widmen. Gerade einmal sechs Wochen später wackelt der soziale Aspekt des Unternehmens jedoch enorm. So ist nicht nur der Schritt als solcher, sondern auch die Art und Weise des Vorgehens äußerst verwunderlich. Die Moderatoren wurden durch eine formlose Mail mit folgenden Zeilen entlassen:

„Wir konnten nicht feststellen, dass Du mit dieser Aufgabe so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre […] Zumindest warst Du mit den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich.“

Auf den Rauswurfgrund der mangelnden Aktivität können sich die Verantwortlichen laut ihrer Teilnahmebedingungen für die Readers Edition berufen. Denn in diesen steht, dass sie sich vorbehalten, Moderatoren von ihrer Funktion zu entbinden, sofern diese ihrer Rolle nicht nachkommen. Allerdings sei das nach Angaben mehrerer Mitstreiter bisher nie relevant gewesen. Ein weiterer Aspekt legt die Vermutung nahe, dass dies nicht der Hauptgrund gewesen ist. Steffen Büffel, ebenfalls Ex-Moderator bei der Readers Edition wurde nicht durch die Projektleitung der Redaktion verwiesen, sondern hat aus Kollegialität den anderen gegenüber seine Tätigkeit eingestellt. Warum aber gerade er weiter geduldet worden wäre, weiß er selbst nicht. Laut eigenen Aussagen, sei er in den vergangen Monaten nicht aktiv gewesen, andere dagegen sehr. Büffel vermutet allerdings, dass sein Bekannheitsstatus in der Social Media-Szene bei der Entscheidung keine unerhebliche Rolle gespielt hat. Der ehemalige Projektleiter Jan Michael Ihl hat sich ebenfalls bereits aus der Plattform zurückgezogen. Gründe dafür waren unter anderem die „Zweifel an dem jetzt eingeschlagenen Weg“. Hatte er 2006 noch Moderator-Workshops veranlasst und sich für eine einfachere Gestaltung der Redaktionsarbeit für ehrenamtlichen Mitarbeiter eingesetzt, so dürfte ihm die augenscheinliche Distanzierung zu den engagierten Nachwuchsjournalisten nicht gefallen.

Seine Stelle teilen sich nach der neuen offiziellen Regelung vom 1. Februar nun mehrere Personen. Auf Grund einer internen Strukturveränderung besetzen Ursula Pidun und Bernhard Fütterer die Chefmoderatoren-Posten und sollen laut eigens formulierten Zielen für mehr Relevanz, Qualität und Nutzen sorgen. Des Weiteren wurde intern nach den Abteilungen Redaktion und Community getrennt, was für eine Kapazitätssteigerung sorgen soll. Nach Maiers Angaben wird diese von Nöten sein, da die Anzahl der Seitenzugriffe bereits wieder nach oben geklettert sei. Und auch die Suche nach aktiven Autoren sei erfolgreich. Autor kann jeder werden, der Spaß am Schreiben findet und seine Artikel der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Die Anforderungen für Moderatoren sind dagegen schon höher. (siehe Artikel Aufwärmrunde bei der Readers Edition) Auch ein Verfassen unter Pseudonym ist möglich. Voraussetzung ist die Anmeldung mit Angabe aller relevanten Daten. (http://www.readers-edition.de/registrieren)

Die Artikel werden in der Kategorie „Neue Artikel“ bewertet und je nach Wertung auf die Frontseite gestellt. Eine Vergütung findet allerdings nicht statt. Dennoch ist Readers Edition als Sprungbrett durchaus geeignet, da der Trend zu Social Media unbestreitbar ist. Beispiele hierfür sind Peter Schink und Solveig Grothe. Letzterer ist aktuell bei Spiegel Online verpflichtet und Schink ist bei Axel Springer untergekommen. Inwieweit dieses Erfolgsrezept jedoch nach dem Relaunch auch noch funktioniert, bleibt abzuwarten. Es scheint, als würde es schwieriger werden, sich vom Autor bis nach oben durchzuarbeiten. Jedoch hält die Philosophie der Readers Edition noch an der neuen Art des Journalismus fest, bei der jeder zum Redakteur werden kann. Bleibt abzuwarten, ob sich dieses Konzepz auch unter den stärkeren Strukturen mit gleichem Erfolg verkauft.

Kategorie : Sonstiges, SQnstiges

Kommentare

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[…] dass wir sie nicht in Ruhe lassen?! Nun, positiv formuliert könnte man es so deuten, dass derzeit viele Veränderungen stattfinden. Der Status Quo der RE muss sich folglich erst wieder festigen. Derzeit […]

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