Jan
18

Drehbuchschreiben für Einsteiger

18. Januar, 2007 von Alexander Schulz

DrehbuchschreibenWer schon immer mal in die Kunst des Drehbuchschreibens eingeführt werden wollte oder auch einfach nur Filme besser verstehen will, der kann sich über dementsprechende Literatur schnell weiterbilden. Allerdings ist es bei der schier unüberblickbaren Anzahl von Büchern nicht ganz einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Mit dem Buch „Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film“ von Syd Field (und diverser anderer Autoren) liegt man aber auf alle Fälle nicht falsch. Syd Field ist in Amerika so etwas wie ein Drehbuchguru, hält dort viele Vorlesungen zum Thema, hat viele Lehrbücher geschrieben und hat zum Beispiel auch für das Standard Drehbuchprogramm „Final Draft“ die Hilfe entworfen. Jeder, der sich mit Drehbüchern beschäftigt, kommt an ihm also nicht vorbei.

Das Buch ist unterteilt in zwei Hälften: Die erste Hälfte ist von Field selber geschrieben und beschäftigt sich mit den Grundaspekten des Schreibens (Figurenentwicklung, Plot Points, Dramaturgie etc.), die zweite Hälfte von deutsche Gastautoren, die auf besondere Aspekte der Arbeit eingehen (Drehbücher für Soaps und Fernsehserien, Der Lektor, Schreiben für die Öffentlich-Rechtlichen etc.).

Syd Fields Hälfte ist nur für Leute interessant, die sich vorher noch nicht weiter mit dem Thema beschäftigt haben. So fängt er bei den Grundlagen an und kratzt aufgrund des geringen Umfangs des Buches nur an der Oberfläche. Es werden Basistheorien vermittelt und man wird in den Aufbau von Drehbüchern eingeführt. Leider reitet er dabei immer nur auf der von ihm entwickelten 3-Akt-Struktur herum, die genauso gängige 5-Akt-Struktur und alle anderen möglichen Drehbuchvarianten finden keine Erwähnung. Überhaupt sind seine „Gesetze“ mit Vorsicht zu genießen und scheinen auch ab und zu veraltet zu sein, z.B. wenn er behauptet, dass Filme mit offenem Ende heutzutage keiner mehr sehen will.

Die zweite Hälfte des Buches ist da schon vielseitiger, auch wenn sie natürlich nur kleine Einblicke in die jeweiligen Gebiete geben kann. Die Autoren kommen aus den jeweiligen Bereichen, über die sie schreiben und bieten somit eine hohe Fachkompetenz.

Nicht nur aufgrund des geringen Preises ist dieses Buch ein Muss für Einsteiger im Metier. Nirgendwo sonst bekommt man so kompakt und leicht verständlich die Grundlagen des Schreibens vermittelt.

  • Titel: Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film – Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis
  • Autoren: Syd Field; Andreas Meyer; Gunther Witte; Gebhard Henke u.v.a.
  • Verlag: Ullstein; 3.Auflage 2005
  • Seiten: 244
  • ISBN-10: 354836473X
  • ISBN-13: 978-3548364735
  • Preis: 9,95€
  • Bei Amazon bestellen

(Bildquelle: www.amazon.de)

Kategorie : Sonstiges, SQnstiges

Kommentare

1

Gratulation zum ersten Artikel der neuen denQuer Redaktion. Du hast damit die dritte Phase dieser Plattform eröffnet.

Eine kurze und knackige Rezension, wie auch das Buch zu sein scheint.

Mal blöd gefragt, eine 4-Akt Struktur gibt es im Film nicht, oder ist die nur nicht so gut?

2

danke für das lob!

doch, es gibt auch 4-akt-strukturen und sogar 12-akt-strukturen (indiana jones – jäger des verlorenen schatzes hat z.b. unzählige akte), aber die 3-akt-struktur ist halt die am häufigsten genutzte und die bekannteste (z.b. in rocky – einleitung, dann vorbereitung auf den kampf und schließlich der kampf). es gibt natürlich auch filme, die sich überhaupt nicht mehr in akte einteilen lassen…

3

Zu Plotpoint:

Überraschend: „Plot“ hat im Englischen auch die Bedeutung von „Komplott“ – also „Intrige, Konspiration Ränke, Verschwörung“ – Synonyme im Englischen: „Cabal, Maneuver, Trick“ neben „Action, Structure, Storyline“.

Viele Grüße
Heidi 2.0

4

Super Buch! Ich halte es gerade in meinen Händen und ergötze mich den knappen, aber wunderbar ausreichenden Fakten in dem Buch. Ich denke eine bessere Sammlung rund um das Thema „Drehbuch“ für den Preis kann ich mir gar nicht vorstellen.

Danke für den Tipp! 🙂

5

[…] das Thema Drehbuchschreiben näher interessiert, sollte sich unbedingt „Drehbuchschreiben“ von Syd Field und „Story“ von Robert McKee zu Gemüte […]

6
Fabian Bianchi
13. Mai 2007 um 12:51

Als in mir der Wunsch laut wurde, Drehbücher zu schreiben, war „Drehbücher schreiben für Fernsehen und Film“ das erste Buch, das ich mir zu diesem Thema kaufte.

Im Nachhinein denke ich, dass der erste Teil des Buches, den Syd Field geschrieben hat, das am wenigsten nützliche in diesem Buch ist.

Das einzig nützliche im ersten Teil sind die ersten zehn Seiten des Chinatown-Drehbuches (auf Deutsch übersetzt). Da erkennt man gut, wie Drehbücher ungefähr formuliert werden sollten.

Nachdem, was ich bisher sonst noch gelernt habe, sollte man Syd Fields starre Ansichten zur 3-Akt-Struktur als europäischer Drehbuchautor nicht allzu ernst nehmen. Nur in Amerika gibt es dieses starre Denken, dass manche Studios, vor allem die großen, Drehbücher teilweise wegen einer „inakzeptablen“ Akt-Struktur von vorneherein ablehnen. Damit will ich aber nicht sagen, dass diese 3-Akt-Struktur nicht auch nützlich sein kann, vor allem für Anfänger. Die Hauptsache ist, dass ein Drehbuch eine Struktur hat, da kann es ein 3-, 4-, 5- oder auch 6-Akt-Struktur sein und diese Akte können auch unterschiedlich lang sein.

Manche deutsche Produktionsfirmen und Fernsehsender bevorzugen zwar eine 3-Akt-Struktur, weil diese manchmal für einen etwas besseren Spannungsbogen sorgt, wenn sie aber ein gutes Drehbuch ohne diese Struktur lesen, ist das letzte, wo nach sie fragen, die fehlende 3-Akt-Struktur. Und in Frankreich muss man erst recht nicht mit einer zwangthaften 3-Akt-Struktur kommen. Die würden einen auslachen. In Europa ist das eben anders.

Wenn ihr eure Drehbücher nicht nach Amerika verkaufen wollt, dann schreibt in der Struktur, die am besten zu dem Thema und Stoff passt und nicht zwanghaft in einer angeblich sichereren Struktur, die letztendlich eure Geschichte verstümmelt.

Lass Deine Meinung da: