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celtx: Filmproduktion für Einsteiger

13. April, 2007 von Sren Schaller

Wie aufwendig die Planung eines Filmprojektes ist, weiß jeder, der bereits bei einer Produktion dabei war oder selbst sogar einen Film gedreht hat. Ein Drehbuch ist vorhanden, doch die Umsetzung ist meist ein eher aufwendiges und zeitraubendes Unterfangen.

In Kanada wurde 2006 ein Open-Source Programm entwickelt, das die Vorproduktion von Film, Video, Theater oder Animation deutlich vereinfachen sollte. Im Zusammenhang mit einem neuen Kurzfilmprojekt von „Bewegende Bilder e.V.“ wurde das Programm „celtx“ bereits in der derzeitigen Pre-Produktionsphase getestet. Doch wir nehmen das Programm einmal genauer unter die Lupe.

celtx Splashscreen
celtx Splashscreen

Die Installation des Programms ist einfach und unkompliziert. Der Startbildschirm ( „Splash Screen“ ) verspricht Übersichtlichkeit. Wir legen ein neues Projekt an und starten damit das eigentliche Programm. Die Oberfläche ist sehr einfach aufgebaut. Neben einer Symbolleiste für Standardfunktionen, gibt es eine so genannte „Projekt Bibliothek“, in der einzelne Elemente erstellt werden können. Dazu zählen beispielsweise Registerkarten für Charaktere, Requisiten, Szenendetails oder Drehbuch – die Grundlage für einen entstehenden Film.

Drehbuch Ansicht
Drehbuch Ansicht

Hat man bereits ein fertiges Drehbuch als Textdatei abgespeichert, so kopiert man einfach den Inhalt in das Element „Drehbuch“. Dazu öffnet sich ein neuer Tab, ähnlich wie bei aktuellen Browsern. Nun kann man die einzelnen Drehbuchabschnitte zu ordnen. Dadurch werden Textabschnitte eingerückt oder Dialoge gekennzeichnet. Parallel dazu lassen sich Storyboardbilder in dem Abschnitt „Storyboard“ einfügen und als Diashow abspielen. Im fertigen Zustand kann man nun das Skript in PDF oder TXT exportieren und besitzt ein industriereifes Drehbuch.

Requisiten Detail Ansicht
Requisiten Detail Ansicht

Anschließend beginnen die eigentlichen Vorbereitungen für die filmische Umsetzung. Das Programm besitzt dafür eine geniale Funktion. Man markiert beispielsweise den Textabschnitt „ein Glas fällt auf einen Holzboden“. Für den Requisiteur bzw. dem Szenenbildner bedeutet das am Set, dass ein Glas vorhanden sein und der Boden aus Holz bestehen muss. Also definiert man „Glas“ und „Holzboden“ als Requisite. Durch öffnen der Registerkartei kann man dort zahlreiche Eintragungen tätigen, ob detaillierte Beschreibung, ein dazu gehöriges Bild, Beschaffung der Requisite oder die Kontaktinformationen zu dem Verleiher. Gleiches gilt für andere Filmdetails: Stuntkoordination, Lichtdetails, Charakterisierung der Darsteller oder Einzelheiten zu Kostümen. Es lassen sich kinderleicht Berichte erstellen, in dem alle Positionen für einzelne Szenen und Bilder verzeichnet sind. Die Zeit der dicken Aktenordner und Bergen von Papierkram ist vorbei.

Storyboard Modus
Storyboard Modus

Eine weitere besondere Funktion bietet der „Web-Dienst“ an. Damit kann das Projekt auf einen Celtx Server geladen und für andere User, z.B. dem Produktionsleiter oder dem Regieassistenten zugänglich gemacht werden. Diese können im Anschluss das Projekt herunterladen und alle aktuellen Informationen abrufen und selbst Abänderungen vornehmen. Weiterhin kann man in der „Projektzentrale“ das Projekt als Website konvertieren lassen. Damit wird im Internet die neuste Version angezeigt und das Team kann jederzeit die Projektdaten abrufen. Das hat den Vorteil, dass sich nicht jeder Einzelne das Programm installieren muss. Allerdings muss sich das Team einen Account auf celtx.com erstellen, um im Anschluss von dem Autor des Projektes freigeschalten zu werden. Der Nachteil an dem Programm ist hingegen, dass jeder Benutzer das Projekt auf dem Server überschreiben kann. So kann es schnell passieren, dass die aktuelleste Version von einer älteren überschrieben werden. Hier zählt Vertrauen unter den Zugreifern.
Celtx bietet weiterhin für Einsteiger ausreichende Hilfestellungen an. Neben einem Beispielprojekt, ist ein Wiki zu dem Programm online, sowie Supports im offiziellen Forum.

Zusammenfassend sei also gesagt: Wer nicht unbedingt ein kostenintensives Script Development Programm wie „Final Draft“ kaufen oder in einem riesigen Papier- und Aktenhaufen ersticken will, sollte einfach das Alternativprogramm „celtx“ herunterladen und Film- oder crossmediale Projekte darüber verwalten.

http://www.celtx.com

Kategorie : SQnstiges

Kommentare

1

Naja, ich habe celtx auch schon testen können. Ich bin nicht so begeistert davon.
Leider bietet es zu wenige Import- und Exportmöglichkeiten (z.B.: Dateitypen wie *.doc oder *.xls).
Eine Synchronisierung mit Outlook oder Thunderbird/Sunbird wäre wünschenswert (Kalender, Kontakte).
Umständlich sind auch die Webdienste – vergisst man die Änderungen hochzuladen, stehen sie keinem zur Verfügung. Hier wäre eine Live- oder Autoupdatefunktion sinnvoll.
Wenn man ein Projekt aktualisieren will, muss man das gesamte Projekt herunterladen, warum?
Eine Rechteverteilung bei der Freischaltung für die Webdienste sollte unbedingt implementiert werden.
Das Erstellen von Tabellen zum Beispiel für eine Stabliste kann zu einem nervenden Abenteuer werden. -> eine Extrafunktion für Stablisten wäre so oder so besser, denn so könnte man evtl. gleich einen Mailverteiler erstellen.
Insgesamt ist das Programm nicht ausgereift. Ich hoffe aber, dass es weiterentwickelt wird. Die Versionsnummer 0.991 lässt zumindest darauf vermuten. Wenn die Handhabung verbessert wird, ist es sicher ein nützlicher Partner bei einer Produktion.

MfG Martin

P.S.: Trotzdem tolle Rezension. Endlich berichtet einer mal über dieses Programm.

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tja maddin,
erst mal hast du schon recht mit all dem was du hier aufgezählt hast. Ist nicht von der Hand zu weisen, dass viele Funktionen noch nicht ausgereift sind ist schade, allerdings nur wenn man so ein Crack ist wie Du und alle seine Daten und Kontakte doppelt und fünffach synchronisieren will 😉
aber ich denke und hoffe das diese Funktionen noch ausgebaut werden, da dass ja grad der aktuelle Trend ist und man ja heute eher die Übersicht über die zahlreichen Informationen und Kontakte, Kalender verliert.

Trotz alledem finde ich, dass das Programm sehr praktisch ist und Zeit sparen hilft, da man selbst alle Bereiche eines Film-Projekts sinnvoll miteinander verbinden kann. Und dass spart echt Zeit und ist übersichtlicher als zum Beispiel Stabsliste, Requisite und alles in einer Datei hat, statt mehreren Dateien…

3

Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung – da stimme ich dir zu. Es fehlt halt nur noch an der entsprechenden Handhabung 😉

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