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09

Berlin in 3D

9. März, 2007 von Susann Reichert
Virtuell und in 3D.
Virtuell und in 3D

Berlin hat das Rennen gewonnen — als erste Stadt weltweit ist sie dreidimensional in Google Earth zu bewundern. Hamburg guckt in die Röhre: Der Spiegel hatte schon im Januar groß und breit angekündigt, dass die Hansestadt auf dem besten Weg zum 3D-Vorreiter sei. Daraus wird wohl nichts.

Gestern nun gab’s in Berlin eine Pressekonferenz zum Thema. Roland Engels (Geschäftsführer der verantwortlichen Firma Berlin Partner GmbH), Harald Wolf (Wirtschaftssenator, Linkspartei) sowie Jürgen Döllner (Mitentwickler, Computergrafik-Prof an der Uni Potsdam) freuten sich nen Ast über die hübsche neue 3D-Welt. Der Geschäftsführer freute sich darüber, dass Berlin und vor allem seine Firma die ersten waren. Der Professor, dass er jetzt vermutlich gefragt wird, wenn andere Städte (z.B. New York oder Tokio) nachziehen wollen. Und der Senator, dass ihm ab sofort Touristen und Investoren die Bude einrennen werden. Also, noch mehr als bisher schon.

Aber, liebe Leser, bevor ihr jetzt Google Earth startet, vorher ein Warnhinweis: Ganz auf Anhieb funktioniert der Spaß nicht. Ihr müsst zuerst auf www.3D-stadtmodell-berlin.de gehen, den Ausschilderungen folgen und das dort bereitgestellte kleine Programm mit Google Earth öffnen. Das ist so, weil die Daten auf einem Extra-Server bleiben und nicht mit Google Earth verschmolzen werden. Datensicherheit und so. Außerdem können die Herrschaften Entwickler das Programm dann ständig verbessern, haben sie zumindest versprochen. Den Ansturm jedenfalls haben sie unterschätzt: Gestern waren die Server ständig überlastet. Das Tool ließ sich zwar ausprobieren, aber ein großartiges Umherfliegen machte wegen der langen Ladezeiten keinen Spaß.

Wermutstropfen Nummer zwei: Dass Berlin „komplett in 3D“ zu sehen wäre, ist natürlich glatt gelogen. Kleiner Marketing-Gag. In Wirklichkeit handelt es sich nur um 10 Prozent der Stadtfläche (44.000 Gebäude), aber immerhin ist die komplette Innenstadt dabei, darauf kann man schon stolz sein. Und so richtig originalgetreu sind ja eigentlich nur 600 Gebäude. Die restlichen wurden per Zufallsgenerator mit einer von 800 weiteren Fassaden versehen. Kein Wunder: Ich hätte keine Lust, 44.000 Gebäudefassaden zu fotografieren, aber genau das wäre nötig gewesen. Es ist also verzeihlich, dass die Entwickler (namentlich die Firma 3D Geo und die Uni Potsdam) sich auf insgesamt 1.400 Fassaden beschränkten. So bekommt man halbwegs einen Eindruck von der Stadt, wenn auch die meisten Häuser nicht originalgetreu aussehen. Aber das kann ja noch kommen, schließlich soll das Programm kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Kategorie : SQnstiges

Kommentare

1

Wirklich ein sehr schöner Beitrag. Vor allem super kurzweilig geschrieben.
Schade ist eigentlich nur, dass Berlin nur zu 10% zu sehen ist. Für mich ist das 3D Ding viel zu früh vorgestellt. Man sollte vielleicht erstmal komplett oder mindestens 50% in 3D darstellen, bevor man große Ankündigungen macht. Aber für die Zukunft sicherlich eine interessante Sache.
Viele Grüße,
Martin

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