Jul
06

Zurück in die Zukunft: Die Planung / A Terv

6. Juli, 2007 von Susann Reichert
Zeitschrift
Zeitschrift „Die Planung“ – „A Terv“

Zeitreisen sind unmöglich, darin sind sich die Wissenschaftler mittlerweile einig. Neugier auf die Zukunft ist trotzdem mehr als menschlich. Ein paar Zukunftsforscher aus Deutschland und Ungarn haben sich deshalb ein besonderes Zeitschriftenprojekt ausgedacht: Die Autoren stellen sich einfach vor, sie befänden sich schon im Jahr 2011, 2036 oder 2048. Aus der Perspektive dieser Jahre schreiben sie Artikel – nicht über solche Klischees wie Reisen ins Weltall oder Invasionen von Außerirdischen, wie man sie aus Science-Fiction-Filmen kennt, sondern über Alltäglicheres, beispielsweise über Kultur und Politik, Architektur oder Biologie. Und dann veröffentlichen sie die Artikel in einem Magazin (oder besser gesagt, in einem Buch im A4-Format) und geben dem ganzen den Titel „Die Planung“.

Erscheinen werden die Zeitschriften tatsächlich erst in 4, 29 und 41 Jahren, betonen die Macher. Das, was jetzt eine Zukunftsvision ist, wird später also ein Relikt aus der Vergangenheit sein – schließlich wurden alle Texte bereits 2007 geschrieben und danach auch nicht mehr verändert. Damit potenzielle Leser allerdings nicht zu lang auf die Folter gespannt werden, wurden die Titel jetzt schon einmal vorveröffentlicht.

Und sie lesen sich ganz spannend: So prophezeien die Zeitschriften beispielsweise, dass die USA 2008 den Iran angreifen (wegen dessen Atomwaffen) und dass 2011 die Optimierung der eigenen Gene bezahlbar und sogar erwünscht sein wird (wer sich ohne Genmanipulation fortpflanzen will, muss eine „own-sperm-tax“ bezahlen). Man findet einen Bericht über das größte Bauwerk der Erde: Eine riesige Pyramide, in der jeder Mensch nach seinem Tod weiterleben kann – indem er seine Asche in einen Stein einschließen lässt. Man liest, dass es 2048 normal sein wird, dass Paare sich hormonell aufeinander abstimmen lassen (zur Verringerung der Scheidungsraten) oder dass ZZ Top 2048 immer noch auf der Bühne stehen (vermutlich auch eine Genmanipulation – darüber kann selbst in 41 Jahren nur spekuliert werden).

Eine gute Mischung also aus Wissenschaft und Ironie, ernsthaften Überlegungen über die Zukunft und purer Fiktion. Besonders reizvoll ist dabei der Gedanke, die Zeitschriften in einigen Jahren noch einmal in die Hand zu nehmen – man wird sie definitiv mit anderen Augen lesen. Auch darum ist es ein besonders mutiges Projekt: Wenn in ein paar Jahren oder Jahrzehnten der „echte“ Erscheinungstermin naht, werden die Autoren wieder mit ihren Visionen konfrontiert. Und dann wollen sie sich freiwillig erneut damit auseinandersetzen – selbst wenn sich das, was sie geschrieben haben, als völliger Quatsch heraus stellt. Wahrsager oder Science-Fiction-Autoren haben solche Sorgen nicht.

Damit auch andere Länder etwas von den deutsch-ungarischen Zukunftsplänen haben, erscheinen alle Beiträge auf Englisch – da kann man nur hoffen, dass das bis 2048 die Weltsprache bleibt. Einige Artikel werden allerdings zusätzlich auf Deutsch, andere auf Ungarisch abgedruckt. In Berlin wird das Projekt heute Abend vorgestellt, danach soll es die Zeitschriften in ausgewählten Buchläden zu kaufen geben – für 12 Euro das Stück, weil die über 200seitigen Schmöker völlig werbefrei daher kommen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter www.dieplanung.org.

Kategorie : PrQjekte, Sonstiges

Kommentare

1

boah, also das ist echt ziemlich spannend. Ich werde mir die Hefte besorgen. Ich meine es gab soviele Scifi Bücher und Filme, wo Visionen drin waren, die heute zur Realität geworden sind … sicher versteckt sich darin auch die ein oder andere Idee, die noch erfunden werden will.

Lass Deine Meinung da: