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Nachwuchsförderung & Bürgerjournalismus: Die SAEK

23. April, 2007 von Hagen Lindner

Im September diesen Jahres feiern die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle ihr 10jähriges Bestehen. Gestartet wurde das Projekt damals von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) in Görlitz, Chemnitz, Zwickau und Leipzig.
Heute ist es in acht sächsischen Städten mit insgesamt zehn Ausbildungsstätten auf dem Gebiet der medienbezogenen Aus- bzw. Fortbildung aktiv.

Das besondere an der Arbeit der SAEK ist ihre zweigleisige Zielstellung. Zum einen geht es bei deren Projekten um die Vermittlung von Medienkompetenz, zum anderen um die Förderung von Mediennachwuchs. Medien interessierte Personen in Sachsen sollen durch gemeinsame Arbeit an Projekten und in Seminaren das erforderliche technische und journalistische Grundwissen über Fernseh- und Hörfunkproduktionen erlangen. Auch spielen medienpädagogische Aspekte eine wichtige Rolle. Dabei geht es vor allem darum, den Teilnehmern den verantwortungsbewussten und kritischen Umgang mit den Medien nahe zu bringen. Andererseits wird das Ziel verfolgt, die medienberufliche Kompetenz von Journalisten, „Seiteneinsteigern“, zukünftigen Redakteuren und anderen Interessierten zu erhöhen. Vor allem für junge Menschen, die sehr an praktischen Projekten interessiert sind ist es vielleicht auch nicht ganz unerheblich, dass viele Projekte nicht einfach produziert werden um dann im Regal zu verstauben, sonder auch in (regionalen) Programmen gesendet werden.

Wichtiger Hintergrund dabei ist auch, dass die SLM die Projekte nicht ganz uneigennützig fördert. Ziel des Gesamtkonzeptes soll es nämlich sein, dass den sächsischen privaten Rundfunkveranstaltern stets qualifizierter Nachwuchs zur Verfügung steht. Dieser ist laut SLM notwendig, um die in den vergangenen Jahren geschaffene und kontinuierlich erweiterte Programmvielfalt und -qualität in Sachsen aufrecht erhalten zu können.

Prof. Heinrich Wiedemann
Prof. Heinrich Wiedemann

Wie der Geschäftsführende Gesellschafter von W+M 2000, Prof. Heinrich Wiedemann, die Rolle der SAEK einschätz, könnt ihr im nachfolgenden Interview nachlesen. Er ist Prof. Heinrich Wiedemann bereits seit etlichen Jahren in den Medien tätig, und beschäftigt sich sowohl im Bereich Medienpädagogik als auch der Medienproduktion. Als Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter des Medienunternehmen W + M 2000 betreibt er insgesamt sieben SAEK-Projekte.

Machte sich die Entwicklung des „Bürgerjournalismus“ in den letzten Jahren bemerkbar und haben sich Inhalt und Umfang der Projekte verändert?

Jein. Die Projekte sind anders geworden, weil die Medieninteressierten die Medien heute anders nutzen und gestalten. Zurzeit betrachtet man ja Medienkonvergenz als wichtiges Moment. Also das Verschmelzen von Medientechniken und Medieninhalte miteinander und untereinander. Zum Beispiel all diese Podcast, Videocast, Blogs, Handy-TV, Communitys, etc. tragen zur Umsetzung und Gestaltung der Medienkonvergenz bei. Alle diese Erscheinungen der neuen Medien rücken immer mehr in den Mittelpunkt. Dies erfordert immer mehr Aus- und Fortbildung. Vor allem ist eine Frage entscheidend: Wie kann ich auswählen aus dieser Flut von Medien und Informationen und wie kann ich über diese meine eigenen Ideen, Gedanken und Überzeugungen einspeisen.

Wie stark tragen ihrer Meinung nach die SAEK zur (Aus-)Bildung von Mediennachwuchs bei? Inwieweit sind sie als erste Anlaufstelle für Interessierte zu betrachten?

Als Netzwerke für Medienkompetenz konnten die SAEK in den letzten 10 Jahren etwa 350, vor allem jungen Talenten, die Möglichkeit geben in die Medienwelt einzusteigen. Viele von ihnen sind dabei direkt über die SAEK-Ausbildung sowohl Neben- als auch Hauptberuflich in alle Facetten der Medien eingestiegen. Das hängt sicher damit zusammen, dass die Interessierten in den SAEK in erster Linie praktisch lernen und so in Redaktionen, Projekten, Sendungen, Events mitmachen und gestalten können. Somit haben sie selbst die Möglichkeit einen Bogen zu schlagen von der theoretischen Ausbildung bis hin zur eigenen fertigen Produktion.

Welche weiteren Möglichkeiten sehen sie für junge Medieninteressierte als Ansatzpunkte für einen Einstieg in die Medienbranche?

Also das wichtigste ist immer als erstes eine Selbstdiagnose. Sollte diese Diagnose auf Medien zutreffen, gibt es in keinem anderen Feld so viele Einflugsschneisen. Wichtig ist immer, dass man bereits medienspezifische Vorerfahrungen gesammelt hat.Das allgemeine Problem des Anforderungsprofils der „Eierlegenden-Wollmilchsau“ ist da ja bekannt. Das heißt man sollte am besten eine tolle journalistische Ausbildung, ein Hochschulstudium, Auslandspraktikum, etc. haben. Da ist es schwierig einen Einstieg zu schaffen. Aber bereits an der Schule gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten bei Medien mitzuarbeiten. Da aber gerade bei Praktika im elektronischen Bereich praktische Erfahrungen von Nöten sind, bieten sich gerade die Kurse der SAEK an. Da werden ja grundlegende Dinge vermittelt. Unternehmen sehen dann, dass man schneller mithelfen und rein wachsen kann.

Wer also Eigeninitiative an den Tag legt, der bekommt auch die Möglichkeit einzusteigen?


Eigeninitiative ist das A und O. Das SAEK-Fördernetzwerk veranstaltet ja auch jedes Jahr im Mai beim Treffpunkt Mediennachwuchs in Leipzig eine Veranstaltung mit dem Thema „Wege in die Medien.“ Da sind immer viele Leute von Radiostationen, Fernsehsendern und Onlineunternehmen in den Diskussionen. Es klingt da immer wieder das gleiche Lied: Als erstes kommt die Begeisterung und die Leidenschaft und als zweites die Praxis …

Also, bei Interesse an Medienprojekten einfach mal Engagement an den Tag legen und los legen! Der Rest wird sich finden.

Kategorie : PrQjekte, Sonstiges, Web 2.Q

Kommentare

1

also ich habe in bautzen schon kurse im bereich fernsehen mitgemacht.
man lernt da wirklich nützliche grundlagen. wird schnell mit der technik vertraut gemacht und kann wirklich viel ausprobieren.
dafür reicht die zeit eines kurses zwar nicht aus, aber es gibt immer die möglichkeit da praktikas zu machen.
eine wirkliche empfehlung, wenn man mich fragt.
richtig sinnvoll ist es sicherlich, wenn man erst am anfang steht und sich für hörfunk und fernsehproduktionen interessiert.
allerdings habe ich da auch schon selber kleinere einführungskurse leiten dürfen und an recht umfangreichen projekten teilnehmen dürfen.
meine erfahrungen und somit auch die empfehlungen beschränken sich allerdings auf das SAEK Bautzen, ich weiß nicht, in wie weit andere SAEK da Projektdurchführungen hand haben.
auf jeden fall kann man auch als „erfahrener“ kameramann da viel probieren, z.b. seit neuestem gibts sogar nen spezialkurs im „unterwasser“ filmen;-)

2

Willkommen als Autor auf denQuer und Gratulation zum ersten Artikel, der gleich mit einem richtig wissenswerten und interessanten Interview aufwartet.

Zum Unterwasser-filmen hätt ich Bock.

3
will-um-Gottes-Willen-unbekannt-bleiben
24. April 2007 um 17:38

Danke Herr Wiedemann für die 1. Obwohl ich nie bei ihnen im Unterricht war.

S A E K!!!

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